Gesundheit ist eine Ware. Mythen und Probleme des kommerzialisierten Gesundheitwesens

gesundheit ist ware[via Volksstimme, November 2013]

Gesundheit ist eine Ware„, Broschüre der RLS zum Gratisdownload

Rezension von Andreas Exner

Die Debatte um Gesundheit wird in allen Massenmedien geführt, sie prägt viele Alltagsgespräche und den staatlich-politischen Diskurs. Doch im Verhältnis zu dieser Omnipräsenz weist wohl kaum eine andere Debatte derart viele Blindstellen und gezielte Desinformationen auf.

Diese Fehler zumindest einmal auf einer argumentativen Ebene zu korrigieren sind einige rezente Publikationen angetreten, eine davon mit dem Titel „Gesundheit ist eine Ware“. Sie widerlegt die „Mythen und Probleme des kommerzialisierten Gesundheitswesens“, so ihr Untertitel, ebenso schlagkräftig wie prägnant. Wer eine fachlich gute und vor allem schnell lesbare Unterstützung in der politischen Auseinandersetzung gegen Privatisierung, Kommerzialisierung und Defizite im Gesundheitswesen braucht: die von der Rosa Luxemburg Stiftung herausgegebene Broschüre, von Nadja Rakowitz verfasst, ist das richtige Werkzeug.

Auf eine knappe Widerlegung der die Gesundheitsdebatte prägenden Mythen folgt die Diagnose der wirklichen Probleme. Den Abschluss bildet der Umriss von Alternativen zum bestehenden Gesundheitswesen, die, so meint die Broschüre, sogar im Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaftsweise umgesetzt werden könnten.

 Aus dem Inhalt

«In ein paar Jahren wird das Gesundheitswesen unbezahlbar sein» – so das Bedrohungsszenario, das hierzulande seit Jahrzehnten aufgebaut wird. Die «Kostenexplosion» sei auf den demografischen Wandel und den medizinisch-technischen Fortschritt zurückzuführen. Unter dem Stichwort «zu hohe Lohnnebenkosten» wird argumentiert, dass die Beiträge für das Gesundheitswesen die Unternehmen so sehr belasten, dass sie auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Nicht zuletzt versetze die «Freibiermentalität» der PatientInnen, die sich aufgrund der «kostenlosen» medizinischen Versorgung entwickelt habe, dem System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) den Todesstoß.

Mit diesen «Argumenten», die eine Situation der Sachzwänge suggerieren sollen, werden Privatisierungen im Gesundheitswesen als unumgänglich vorangetrieben. In einer der reichsten Gesellschaften der Welt werden Leistungen aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen, Krankenhäuser werden privatisiert und die Versuche, auch die gesetzlichen Kassen zu privatisieren, nehmen an Fahrt auf. Gleichzeitig werden im Krankenhaus wie in den Arztpraxen mehr Leistungen erbracht, als medizinisch notwendig sind; die Pharmaindustrie verdient Unsummen, und von Jahr zu Jahr gibt es mehr ÄrztInnen bei gleichzeitigem Ärztemangel in armen Stadtteilen und in ländlichen Regionen. Wie hängt das zusammen?

Diese Broschüre soll zeigen: Beim Thema Gesundheit geht es um viel Geld – und ein großer Teil dieses Geldes ist noch nicht vollständig kapitalistischen Interessen unterworfen. Deshalb muss man sich sehr genau anschauen, wer was am Gesundheitswesen kritisiert und aufgrund welcher Diagnosen welche Lösungen vorschlägt. Nach einer kurzen Einleitung in das Gesundheitswesen in Deutschland werden im ersten Kapitel der Broschüre Mythen der gesundheitspolitischen Debatte geknackt. Im zweiten Kapitel werden dann verschiedene Problemdiagnosen und ihre vermeintlichen Lösungen geprüft und die Hintergründe analysiert. Im dritten Teil stellen wir Reformvorschläge und Alternativen zur Diskussion und zeigen, dass es – sogar innerhalb kapitalistischer Verhältnisse – auch anders und besser gehen könnte.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Das Gesundheitswesen in Deutschland

Mythen
1 «Kostenexplosion»
2 «Zu hohe Lohnnebenkosten»
3 «Demografische Zeitbombe»
4 «Freibiermentalität» oder «Vollkaskomentalität»

Diagnosen
5 Gesundheitliche Ungleichheit
6 Zweiklassenmedizin
7 Keine Papiere, keine Versicherung, kein Zugang
8 Knappe Kassen
9 Ärztemangel und Ärzteschwemme
10 Teure Krankenhäuser
11 Selbstbedienungsladen Pharmaindustrie

Alternativen
12 Ausweitung der Solidarität – Bürgerversicherung
13 Nicht-kommerzielle, sozialmedizinische Zentren statt Einzelpraxen
14 Bedarfsplanung
15 Entkommerzialisierung/Rekommunalisierung
16 Verhältnisprävention

Fazit
Zum Weiterlesen

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