Soziale Gleichheit am Forum Alpbach: „Fair Society, Healthy Lives“

von Andreas Exner

Die Zeiten beginnen sich hoffentlich zum Bessern zu ändern. Dies könnte man jedenfalls daran ablesen, wie die Parteien der Reichen auf die zunehmenden sozialen Proteste im Namen der Gleichheit reagieren.

So hatte etwa das konservative Forum Alpbach am 16.8. den englischen Public Health-Experten Sir Michael Marmot zum Hauptreferat geladen. Seine Forschungen schlagen in die gleiche Kerbe wie die seiner KollegInnen Richard Wilkinson und Kate Pickett, die 2011 auf der ÖVP-dominierten Konferenz aufgetreten waren.

Inwieweit bestimmen sozio-ökonomische Umstände – das Umfeld, in dem wir geboren werden, aufwachsen, leben und arbeiten – gesundheitliche Ungleichheiten? Wie können wir diese minimieren? Was sind die Schlüsselfaktoren einer gerechten und gesunden Gesellschaft? Wo sind die größten Hindernisse?

fragte das Forum im Programmheft dieses Jahr, und der Vortrag von Michael Marmot gab die Antwort: Ohne eine faire Gesellschaft seien Gesundheit und auch Wohlstand eines Landes nicht zu gewährleisten, berichtet das Online Journal „Der OnlineTutor„, und weiter:

Es gehe darum, das soziale Auseinanderfallen der Gesellschaft möglichst zu verhindern und ihre allfälligen Konsequenzen durch Empowerment und Unterstützungsmaßnahmen zu mildern. Marmot: „Wir brauchen eine Welt, in der soziale Gerechtigkeit ernst genommen wird. (…) Unsere Werte sollten unsere Ziele bestimmen.“

Der entscheidenden Rolle sozialer Gleichheit für den Gesundheitszustand – im Unterschied zum bloßen Pro-Kopf-Einkommen -, widmet auch die neue Buchveröffentlichung von „Solidarisch G’sund“ mit dem Titel „Gesundheit für Alle“ mehrere Artikel.

Buchtip:

Cover: Gesundheit für alle!

Nach drei Jahrzehnten neoliberaler Verwüstungen ist das Gesundheitswesen nun auch von der Schuldenkrise des Kapitalismus bedroht. Die bereits extreme soziale Ungleichheit nimmt noch weiter zu. Dabei zeigt die Forschung, dass der allgemeine Gesundheitszustand einer Gesellschaft vor allem von sozialer Gleichheit abhängt. Das Buch erklärt wissenschaftliche Erkenntnisse dazu und zieht politische Schlussfolgerungen – gegen die Mythen in der Gesundheitsdebatte. Die Dominanz der Pharmakonzerne, die aus Gesundheit eine Ware machen, wird kritisch beleuchtet, ebenso wie die Problematik der interventionistischen Geburtshilfe und die neoliberale Veränderung der Psychiatrie.
Das Buch stellt die Grundlinien des Gesundheitswesens in Deutschland und Österreich dar und beschreibt die Folgen der Privatisierung und Kommerzialisierung. Zugleich geht es darum, wie sich Menschen dagegen wehren: von Streiks in Deutschland bis zu Krankenhausbesetzungen in Griechenland.

»Gesundheit für Alle« plädiert für eine solidarische Ökonomie mit umfassenden Versicherungsleistungen und schlägt Strategien vor, die auf der Erfahrung von sozialen Kämpfen basieren: von der Etablierung der Sozialversicherungen bis zu Beispielen solidarischer Ökonomien und Gesundheitsbewegungen.

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