EU verlängert Quotenregelung für Medizin-Unis

Nimmervoll, Lisa: EU verlängert Quotenregelung für Medizin-Unis
Der Standard, 19. 12. 2012, 8

Bis 2016 75 Prozent der Plätze für Österreicher reserviert – Neues Aufhahmeverfahren

Lisa Nimmervoll

Brüssel/Wien

Österreich bekommt weitere vier Jahre Zeit, um die Europäische Kommission von der Notwendigkeit einer Quotenregelung für das Medizin-Studium hierzulande zu überzeugen. Die Kommission hat am Dienstag die seit 2006 geltende Regelung bis Ende 2016 verlängert. Vorerst.

75 Prozent der insgesamt 1500 Studienplätze für Human- und Zahnmedizin an den drei Medizin-Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck sind für Inhaber österreichischer Maturazeugnisse reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger, der Rest für Nicht-EU-Bürger.

Bis zum Ablauf der neuen Frist muss Österreich seine Argumentation belegen, wonach der eigene Mediziner-Bedarf nur mit Zugangsbeschränkungen für Ausländer gesichert ist. Im Wissenschaftsministerium geht man davon aus, dass das gelingen wird, weil die ersten „Quoten-Jahrgänge“ die Medizin-Unis verlassen.

Die Mediziner-Quote wurde 2006 als Reaktion vor allem auf die vielen deutschen Studierenden, die vor dem Numerus clausus flüchteten, installiert, 2007 von der EU-Kommission wegen Diskriminierung von EU-Bürgern bekämpft und dann durch ein Fünf-Jahres-Moratorium entschärft.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle will übrigens eine umfassendere Lösung des Problems der „asymmetrischen Mobilität“, von der nicht nur Österreich betroffen ist. Es geht vor allem um Studierende aus großen EU-Ländern, die in gleichsprachige kleinere Staaten ausweichen.

Zur alten Quotenregelung wird es ab 2013 ein neues Aufnahmeverfahren für alle drei Medizin-Unis geben. Nach sieben Jahren getrennter Aufnahmeverfahren (Wien und Innsbruck ESM-Test, Graz eigener Test) und unterschiedlicher Auswertungsmethoden (für Aufregung sorgte die „gendergerechte“ Auswertung in Wien) werden am 5. Juli 2013 alle Studienbewerber erstmals einen einheitlichen Test absolvieren (Teilnahmegebühr 97 Euro).

Der neue Test, für den ein Team um den Psychologen Martin Arendasy von der Uni Graz moderne psychometrische Technologien verwendet hat, umfasst Wissensfragen (Biologie, Chemie, Physik, Mathematik auf Maturaniveau) und Tests betreffend kognitive Fähigkeiten (Zahlenfolgen-, Langzeitgedächtnis-, Figurenzusammensetzungstests und Textrechnungen).

Wort, Arznei, Skalpell

Die drei Vizerektoren – Karin Gutierrez-Lobos (Wien), Hans Peter Dimai (Graz) und Norbert Mutz (Innsbruck) – zeigten sich am Dienstag bei der Präsentation sehr zufrieden und hoffen so, „mit größtmöglicher Sicherheit“ jene auszuwählen, die erfolgreich studieren und später „mit Wort, Arznei und Skalpell“ (Dimai) am besten umgehen können. Der neue Aufnahmetest wird laufend evaluiert und bis 2015 adaptiert.

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