„Wir werden Lehrer nun stärker befristen“

Leitner, Gerd: „Wir werden Lehrer nun stärker befristen“
Woche Klagenfurt Stadt, 19. 12. 2012, 18

Bildungsreferent Christian Ragger über Kritik an der Med-Uni und seine Haltung gegenüber Lehrern.

gerd.leitner@woche.at

WOCHE: Wie realistisch ist, dass die Med-Uni bereits im Herbstsemester 2013 starten kann?

CHRISTIAN RAGGER: Wenn der Akkreditierungsrat grünes Licht gibt: 100 Prozent. Wir haben von der Landesimmobilien-Gesellschaft zehn Objekte in Prüfung, wo wir versuchen, den ersten Studiengang zu etablieren. In weiterer Folge wollen wir so nah wie möglich an das Klinikum. Mit 160 Studenten kann man problemlos irgendwo unterkommen. Im Jahr 2015 brauchen wir feste Räumlichkeiten.

Ein Studienjahr wird 20.000 Euro kosten. Die SPÖ kritisiert das Projekt als Reichen-Uni.

Wir werden dafür Sorge tragen, dass wir unsere Medizin-Studenten in die Ausbildung bringen. Von den 80 Studenten werden mindestens 30 aus Kärnten sein, die wir mit unserem Stipendien-Modell unterstützen. Das Land Kärnten nimmt bewusst Geld für die Bildung in die Hand – 600.000 Euro pro Jahrgang. Das Interessante: In Österreich sind derzeit 7.000 Studenten auf der Suche nach einem Medizin-Studienplatz; in Deutschland sind es 70.000. Wir werden relativ rasch überlaufen sein.

Wollen Sie Bildungstourismus nach Kärnten bringen?

Ganz im Gegenteil. Das Wichtigste ist, dass wir für die gesamte Uni 30 Professoren brauchen. Wir werden das erste Mal einen Brain-Drain haben: Professoren werden sich in Klagenfurt ansiedeln, weil sie hier unterrichten. Wir werden am Areal des Klinikums den Studentenwohnbau und auch den Wohnungsbau forcieren, damit sich Lehrende ansiedeln können. Wir brauchen 140 Assistenten. Nur in der ersten Periode schaffe ich 560 Arbeitsplätze. Nach Berechnungen haben wir zusätzliche Wertschöpfung durch die Universität von 65 Millionen Euro.

Die Gegner kritisieren die Kosten. Was sagen Sie dazu?

Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Ich habe ein unabhängiges Wirtschaftstreuhand-Unternehmen beauftragt, eine Plausibilitätsrechnung zu machen. Wir stellen vier Jahre jedes Jahr eine Million Euro zur Verfügung als Anschubfinanzierung – dann ist die Finanzierung der Universität abgeschlossen. Das einzige, was bleibt, ist die ständige Förderung von unseren eigenen Studenten.

Zum Bildungstest: Ihre Reaktion auf das schlechte Abschneiden Kärnten?

In erster Linie ist es bezeichnend dafür, dass man die Testung gemacht hat, bevor man die NMS herangezogen hat. Wir haben eine Gruppierung von Lehrern, die ein gewisses Alter erreicht haben, in dem sie sich, auf gut deutsch, keinen Hax mehr ausreißen -unter Anführungszeichen.

Was möchten Sie verändern?

Die Überlegung wird sein müssen, dass Lehrer nicht nur in der Pflichtschule, sondern auch in den höheren Schulen verpflichtende Fortbildungen haben. AHS-Lehrer werden sich auch in die NMS begeben müssen. Es wird künftig in den Verträgen drin stehen: Wenn du nicht in der NMS mitarbeiten willst, wirst du keinen Vertrag bekommen. Wir werden auch die Lehrer stärker befristen beginnen.

Betreiben Sie tatsächlich Lehrer-Bashing?

Die SPÖ ist – gemeinsam mit der ÖVP – Verursacher dieser Misere. Sie haben die Bildung versteinert, indem sie im Nationalrat nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit veränderbar ist. Ich habe bei 4.100 Pflichtschullehrer 80 Prozent Pragmatisierte. Das heißt: Ich habe keine Handhabe, dass mir der Lehrer entsprechend motiviert ist. Man hat es von Bundesseite sträflich verabsäumt, den Lehrer Lehrer sein zu lassen. Man hat ihm jeden erdenklichen Ballast hinaufgeladen. Es soll Sozialbetreuer, Erzieher, Mediator und Scheidungsberater sein. Dass dies dazu führt, dass der Lehrer nicht mehr motiviert ist, ist verständlich. Deswegen wollen wir den Weg durch den Bildungsplan neu beschreiten.

Zur Landtagswahl: Was ist Ihr Ziel?

Das Ziel ist, dass wir uns einfach bewusst werden, dass es mehr gibt, als kleinkarierte Streitereien. Wir müssen ein Gesamtziel vor Augen haben. Und das ist, das Gesicht von Kärnten zu verändern.

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