Erbitterter Machtkampf um Pro Mente Kärnten entbrannt

Steiner, Elisabeth: Erbitterter Machtkampf um Pro Mente Kärnten entbrannt
Der Standard, 18. 12. 2012, 9

Langzeitchef Platz mit „Palastrevolution“ konfrontiert

Elisabeth Steiner

Klagenfurt

Thomas Platz, Psychiater und Primarius der Klagen-furter Reha-Klinik für seelische Gesundheit und Prävention, ist in Kärntner Sozialkreisen so etwas wie eine Institution. Aber auch heftig umstritten. Seit 26 Jahren leitet er den Verein „Pro Mente“ Kärnten, der wiederum Hauptgesellschafter der Reha-Klinik ist. Heute, Dienstagabend, soll auf einer Generalversammlung ein neuer Vorstand gewählt werden. Und: es gibt erstmals eine Palastrevolution gegen den seinerzeitigen Gründer von Pro Mente Kärnten. Im Klagenfurter Landeskrankenhaus folgte der Psychiatrieerneuerer Platz auf den Primarius und extrem rechten Politiker Otto Scrinzi. Anstelle der geschlossenen Psychiatrie entstand dank Platz das „Zentrum für seelische Gesundheit“.

Schwere Vorwürfe

Heute sieht sich Thomas Platz mit schweren Vorwürfen und einer Gegenliste konfrontiert. Es kursieren Anschuldigungen und ein anonymer Brief, der an die Staatsanwaltschaft Klagenfurt weitergeleitet wurde. Mittlerweile haut man sich auch gegenseitig Klagen um die Ohren. Vor allem empört die Platz-Gegner, dass sie in die Nähe der Kärntner Freiheitlichen gerückt werden.

Anführer der Gegenliste ist Richard Dabernig, Leiter eines „Pro Mente“-Projekts in Oberkärnten und gelernter Zimmermann. Platz‘ Verteidiger halten ihn deshalb nicht für geeignet. Dabernig will bei „Pro Mente“ aufräumen und wirft Platz Bereicherung vor. Dieser würde dreifach kassieren: als Obmann von „Pro Mente“, als Geschäftsführer der Reha-Klinik und als ärztlicher Leiter. Summa summarum rund 25.000 Euro. Dabernig hat am Montag eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht. Darin wird Platz der Untreue und verdeckter Gewinnausschüttung verdächtigt. Schließlich gehe es ja auch um rund 15 Mio. Euro Steuergeld, das die Betriebe von Pro-Mente vom Land Kärnten erhalten. Als Dabernigs Stellvertreterin kandidiert Brigitte Schmidl-Mohl, Leiterin des psychosozialen Dienstes im Burgenland: „Es ist berufsschädigend für mich, in die Nähe der FPK gerückt zu werden. Ich lasse mich doch nicht ins rechte Eck stellen.“

Auch sie will klagen. Schmidl-Mohl sieht das autokratische Verhalten ihres Kollegen als einen Grund für den internen Aufstand. Mittlerweile beginnt der Machtkampf um „Pro Mente“ Kärnten auch seltsame Blüten zu treiben. So hat Platz seinen ärztlichen Stellvertreter der Reha-Klinik dienstfrei gestellt, weil er ihn aufgrund eines Gutachtens als Mitverfasser des anonymen Briefes zu identifizieren glaubte. Der hat sich jetzt auch der Liste Dabernig angeschlossen. Auch langjährige Platz-Mitarbeiterinnen, die von ihm gefeuert wurden, finden sich darauf. Sie werfen ihrem Exchef Mobbing und Bossing vor. Platz war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gegenüber dem ORF erklärte er monatlich 2900 Euro brutto bei „Pro Mente“ und 13.500 Euro brutto in der Reha-Klinik zu verdienen. Beide Seiten versuchen in letzter Minute durch aggressive Mitgliederwerbung ihre Wahlposition zu verbessern.

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