„Das Hausarztsystem würde sich auflösen“

Hautzenberger, Karin: „Das Hausarztsystem würde sich auflösen“
Kleine Zeitung, 16. 11. 2012, 26f

Nach Maria Saal wurde jetzt auch in Grafenstein ein Ansuchen um Errichtung einer Apotheke gestellt. Die betroffenen Ärzte befürchten vor allem Nachteile für Patienten.

KARIN HAUTZENBERGER

Schon in drei Jahren könnte es in Grafenstein und Poggersdorf keinen Landarzt mit Hausapotheke mehr geben. „Es wurde ein Antrag auf Erteilung einer Apothekerkonzession in Grafenstein gestellt“, sagt Gert Wiegele, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Laut einem Verfassungsgerichtshofurteil dürfen die Ärzte, sofern die Konzession erteilt wird, nur noch drei Jahre lang ihre Hausapotheke behalten.

Wie in Maria Saal befürchten auch dort die betroffenen Ärzte -zwei in Grafenstein, einer in Poggersdorf – Nachteile für die Bevölkerung am Land. „Ein praktischer Arzt ist 24 Stunden am Tag erreichbar, inklusive Sonn- und Feiertage. Und er kann vor allem immobile Patienten, sei es mit Dauerkatheter oder nach einem Schlaganfall, an Ort und Stelle versorgen und die notwendigen Medikamente mitbringen“, sagt Robert Sucher, praktischer Arzt in Grafenstein. Ebenso wie seine Kollegen fürchtet er, dass eine kleine Apotheke am Land diese Qualität nicht bieten könnte:

„Diese müsste 24 Stunden die Versorgung aufrechterhalten.“ Und dafür brauchte man zwei Pharmazeuten, so Wiegele, was sich eine kleine Apotheke am Land kaum leisten könne.

Wenn es diese 24-Stunden-Versorgung aber nicht mehr gibt, müssten die Patienten im Krankheitsfall nach Klagenfurt oder St. Kanzian ausweichen. Die Folge sind weite Wege nachts oder wochenends. Zum Teil gebe es solche Situationen in Kärnten schon, sagt Wiegele: „Wenn zum Beispiel die Apotheke im Gurktal nicht Dienst hat, müssen die Leute bis nach St. Veit fahren.“

Kein Arzt, keine Apotheke

Ein weiteres Problem sehen die Ärzte darin, dass die Hausapotheke ein wirtschaftliches Standbein darstellt. Ohne dieses könnten sie ihren Mitarbeiterstand nicht halten, wodurch Jobs verloren gingen. Und man würde schwer Nachfolger finden. -„Das beim ohnehin drohenden Ärztemangel. Das Hausarztsystem würde sich wahrscheinlich auflösen“, sagt Sucher, der damit rechnet, dass es dann irgendwann keinen Arzt mehr in Grafenstein und Poggersdorf gäbe. Die weitere Folge: Auch die Apotheke müsste zusperren, weil sie ohne Arzt nicht überleben könnte.

Paul Hauser, Präsident der Apothekerkammer Kärnten, sieht das, wie berichtet, anders. Er glaubt, dass der Landärzteschwund mit den langen Arbeitszeiten und Zugangsbeschränkungen an Unis zusammenhängt und nicht mit Hausapotheken. Außerdem ist er der Meinung, dass eine Drei-Jahres-Übergangsfrist gerecht sei. Denn wenn die Hausapotheken zehn weitere Jahre bestünden, könne eine Apotheke von vornherein nicht überleben.

APOTHEKE KONTRA HAUSAPOTHEKE

Urteil. Der Verfassungsgerichtshof fällte heuer Urteil über Fall in Bad Eisenkappel: In Gemeinden mit zwei Ärzten müssen diese ihre Hausapotheke nicht erst nach zehn, sondern schon nach drei Jahren aufgeben.

„In vielen Orten gibt.es das schon. Wenn zum Beispiel die Apotheke im Gurktal nicht Dienst hat, müssen die Leute bis St. Veit fahren.“

Gert Wiegele, Kurienobmann

Argumente. Die Apotheker argumentieren, dass eine Apotheke bei einer Zehn-Jahres-Übergangs-frist keine Chance hätte, zu überleben. Die Ärzte sehen Nachteile für die Bevölkerung und drohenden Landärzteschwund.

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