Behandlung in Tagesklinik statt im Spital spart 320 Millionen

Haller, Patricia: Behandlung in Tagesklinik statt im Spital spart 320 Millionen
Kurier, 25. 6. 2012, 2

Eine Studie belegt: Die Österreicher kommen zu oft ins Krankenhaus und werden unnötig oft untersucht. Das ist teuer.

VON PATRICIA HALLER

Wer unter Asthma oder an Bluthochdruck leidet, ist hierzulande nicht nur Patient. Er ist auch einer, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Spital – und sei es für einen Tag – landet. Ergebnis: Mit 26,5 Spitalsaufnahmen pro 100 Einwohnern und Jahr liegt Österreich im EU-Vergleich an der Spitze. Neben den genannten Beispielen gibt es ähnliche Trends bei Krankheiten des Muskel-Skelett- und des Bindegewebes und des Verdauungssystems, der Augen oder der Psyche.

Diese Fakten hat die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) in einer neuen Studie zusammengetragen. Die GÖG, Gesellschaft im Eigentum der Republik, hat die Gründe für die vielen Spitalsaufnahmen analysiert und Ziele definiert, um ihre Zahl zu senken. Allein das Vermeiden und Verringern der Spitalsaufenthalte brächte laut GÖG mittelfristig Einsparungen von 320 Millionen Euro. Voraussetzung dafür ist, dass die Versorgung in Tages- und Wochenkliniken sowie zu niedergelassenen Ärzten und Gruppenpraxen verlagert wird.

GÖG-Geschäftsführer Georg Ziniel: „Wir sind bei unserem Programm sehr stark von der Perspektive der Patienten ausgegangen. Was wir vorschlagen, dämpft die Kostendynamik, ohne dass Leistungen beschränkt werden müssen oder das Niveau der Qualität gesenkt wird.“

Die GÖG hat Vorschläge erarbeitet, die die Umsetzung der Gesundheitsreform konkretisieren.

– Spitalsaufenthalte

Nach definierten Diagnosen, einem Katalog ambulanter Leistungen und einem Aufnahme- und Entlassungsmanagement der Spitäler, das den Patienten zur richtigen Versorgungseinrichtung leitet, können pro Jahr von den 2,6 Millionen Aufenthalten 375.000 vermieden werden.

– Chronisch Kranke

In Österreich gibt es kein organisiertes Betreuungs-Management für chronische Krankheiten. Laut GÖG müssen deshalb Personen, die etwa an der Lungenkrankheit COPD leiden, doppelt so oft in einem Spital aufgenommen wie in Deutschland. Ähnliches gilt für Diabetes.

– Doppelte Befunde

Die Zahl an Mehrfach-Untersuchungen, die vor den rund 870.000 fix geplanten Operationen (neues Knie, Grauer Star, etc.) pro Jahr durchgeführt werden, schätzt die GÖG bei der Labordiagnostik auf 70 Prozent, bei EKG auf 50 Prozent und bei Lungenrönt-gen auf 80 Prozent. Durch bundesweite Leitlinien, an die sich alle halten müssen, sowie die Elektronische Gesundheitsakte könnte ein Großteil davon vermieden werden – mit einer Ersparnis von bis zu 30 Millionen Euro pro Jahr.

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