Gleichheit macht gesund

aus: KSÖ Nachrichten 4/2012, Kolumne: Auf den Punkt gebracht. S 8

von Andreas Exner

Peter Haubner sorgte für einen schlechten Aprilscherz: Kein Geld für den ersten Krankenstandstag, forderte der ÖVP-Politiker. Diese Idee gefiel lediglich der Wirtschaftskammer. Die würde das Krankengeld wohl am liebsten überhaupt abschaffen. Im Namen des Wirtschaftswachstums sollen soziale Leistungen immer weiter gekürzt werden. Damit es der Wirtschaft gut geht und den Menschen schlecht. Wo sich die Menschen verkaufen müssen um zu überleben, und so zum Kostenfaktor werden, floriert diese Wirtschaft eben nur, wenn wir uns möglichst krank arbeiten und möglichst wenig verdienen.

Dieses Wirtschaftssystem ist nicht nur selbst marod. Es beeinträchtigt auch systematisch unsere Gesundheit. Das geschieht, indem es Menschen in Befehls- und Statushierarchien zwingt. Es setzt uns in Konkurrenz zueinander. Wie sich zeigt, ist die Lebenserwartung und sind viele andere Indikatoren für Gesundheit und Wohlbefinden sehr eng mit der sozialen Ungleichheit gemessen am Einkommen korreliert. Je ungleicher ein Land, desto schlechter geht es den Menschen. Hohe Durchschnittseinkommen sind daher kein sinnvolles politisches Ziel, ebenso wenig wie Wachstum. Im Gegenteil: Ökologisch ist eine Schrumpfung unvermeidlich und kann die Lebensqualität erhöhen.

Mehr als 200 sozialmedizinische Experimente zeigen, dass die Angst vor Statusverlust der ärgste Stressfaktor für den Menschen ist. Und je größer die soziale Ungleichheit, desto heftiger wird diese Angst. Denn die Statuskonkurrenz steigt mit wachsender Einkommenskluft. Und Dauerstress macht krank, wie die Medizin schon seit Langem weiß.

Die Gesundheitsplattform „Solidarisch G’sund“ drängt darauf, diese Fakten endlich ernst zu nehmen. Wir setzen uns zuerst dafür ein, dass die Arbeits- und Lebensverhältnisse selbst gesünder werden. Das geht nur über mehr Gleichheit, vor allem in den Betrieben. Denn dort sind wir am schärfsten einer Hierarchie der Ungleichheit ausgesetzt. Dort entsteht auch die Ungleichheit der Einkommen, die immer weiter zunimmt.

Die Epidemiologen Richard Wilkinson und Kate Pickett, die sich mit den Bedingungen öffentlicher Gesundheit befassen, fordern daher demokratisches Belegschaftseigentum, eine Schrumpfung des wirtschaftlichen Output in den reichen Ländern und Demonetarisierung, das heißt einen zunehmend kostenlosen, gänzlich gleichen Zugang zu Gütern und Diensten.

Mehr Gleichheit, das bedeutet auch gleich gute Arbeitsbedingungen für Ärzte und für Pflegepersonal, mit Einkommen, die viel gleicher sein müssten als sie es heute sind. Und selbstverständlich bedeutet es auch, dass alle gleichen Zugang zum Gesundheitswesen haben. „Soldidarisch G’sund“ kämpft daher für den Erhalt des öffentlichen Gesundheitswesens, das selbst das Ergebnis einer langen Geschichte erfolgreicher sozialer  Auseinandersetzungen ist, die heute wieder nötig sind.

http://www.solidarischgsund.org

 

 

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