Mobbing-Alarm um Neo-Behördenchefin

Rausch, Wolfgang: Mobbing-Alarm um Neo-Behördenchefin
Kleine Zeitung, 4. 2. 2012, 22f

Ungesundes Klima in der Gesundheitsabteilung des Landes? Melania Deutmeyer steht aber auch in fachlicher Hinsicht in der Kritik.

WOLFGANG RAUSCH

Zur Verblüffung von Fachleuten wurde vom Nachfolger von Hugo Tschernutter auf dem Chefsessel der Gesundheitsabteilung des Landes Berufserfahrung in der Krankenpflege erwartet. Schon kurz darauf wussten Insider jemanden zu identifizieren, auf den dieses Anforderungsprofil von den Koalitionären FPK und ÖVP zugeschneidert sei und einen Zufall später gewann diejenige Person tatsächlich die Objektivierung – mit Verweis auf genau diese spezielle Qualifikation. Name: Melania Deutmeyer, die im Jahr 2008 – damals noch als deutsche Staatsbürgerin – zur Leiterin des Studienbereiches „Gesundheit & Pflege“ an der Fachhochschule Kärnten avanciert war. Ihr abrupter Abgang dort war von keiner Ehrenkompanie begleitet, nachdem sie sich wenig amikal verabschiedet hatte.

Freundschaftlich ist das Klima aber offenbar im seit 2. Mai 2011 von Deutmeyer geleiteten Kompetenzzentrums Gesundheit ebenso wenig, auch wenn sie das anders einschätzt (siehe Interview). Gernot Nischelwitzer, Vorsitzender der Personalvertretung, spricht von gehäuften Beschwerden über Deutmeyer, „die immer mehr in Richtung Mobbing gehen“. Er empfahl das Führen von „Mobbing-Tagebüchern“ und diesen Ratschlag dürften etliche Mitarbeiter beherzigt haben. Offen über die Chefin zu reden wagt niemand, tief sitzt die Furcht vor Repressalien. Kern der Vorwürfe: Deutmeyer schränke die Arbeitsgebiete ein, stoße Untergebenen vor den Kopf und spioniere ihnen nach.

Zum obersten Personalvertreter sind aber auch Zweifel an der Qualifikation der absolvierten Wirtschaftswissenschaftlerin als – ohne Dienstprüfung pragmatisierte – Verwaltungsbeamtin vorgedrungen. Im vertraulichen Gespräch präzisieren Mit arbeiter, dass die Quereinsteigerin Probleme mit den Mysterien der Hoheitsverwaltung habe, trotzdem aber Beratung scheue. Konsequenz: der Tritt in fachliche Fettnäpfe wie etwa bei EHEC oder beim Pro blemfall Katarakt-OPs im Klinikum, paradoxe Interventionen und Be hinderung der täglichen Arbeit. Die „verständliche Unkenntnis“, so ein Beobach ter, ergäbe sich auch daraus, dass Deutmeyer weder Juristin noch Betriebswirtin sei.

Doch Deutmeyer (siehe Interview) sieht sich in erster Linie als Managerin – und nach oben durchaus noch Luft. Sie hat den Titel des Landessanitätsdirektors im Visier und es ficht sie durchaus nicht an, dass jener nach gesetzlicher Maßgabe die fachlichen Angelegenheiten abdecken sollte, mithin also Mediziner sein muss. Für Deutmeyer ist das nur eine Sollbestimmung. Dabei sollte sie wissen, dass sie nach geltendem Landesrecht als Nichtmedizinerin keine Aufnahme in den Landesanitätsrat finden könnte. Der Titel Landessanitätsdirektor würde fraglos glänzen – auch auf dem Gehaltszettel.

Bei ihren politischen Mentoren genießt sie offenbar volle Rückendeckung. Die Medizinerin Elisabeth Oberleitner übt das Amt der Sanitätsdirektorin de facto aus, die formelle Bestätigung wird ihr aber bis heute vorenthalten.

Die Hätschelung von Deutmeyer durch die Politik ist laut Beobachtern aber wohl kein Zufall. Das vernichtende Urteil eines intimen Kenners des Kärntner Gesundheitswesens: „So viel politische Eingriffe wie unter Deutmeyer gab es in dieser Abteilung noch nie!“

So groß war aber auch der Frust in dieser Abteilung noch nie, der übrigens quer durch alle politischen Lager reicht.

INTERVIEW

„Meine Tür ist geöffnet“

Kleine Zeitung: Wie war ihr Umstieg von der Lehrtätigkeit an der FH in die Landesverwaltung?

MELANIA DEUTMEYER: Ich begann in der Krankenpflege. Insofern hat mich mein beruflicher Lebensweg über die Wissenschaft zurück in die Praxis geführt.

Wo konnten Sie bereits Ihre Handschrift hinterlassen?

DEUTMEYER: Es hat bekanntlich im Zuge der Verwaltungsreform die Zusammenführung von Abteilungen gegeben. Ich habe versucht, zusammenzuführen was zusammengehört. Das heißt auch, dass die Mitarbeiter mitbekommen, was jeder tut.

Das sieht aber offenbar nicht jeder als geglückt an. Die Personalvertretung berichtet von Mobbingvorwürfen gegen Sie. Wie können Sie sich das erklären?

DEUTMEYER: Es hat keinen Kontakt der Personalvertretung mit mir gegeben. Insofern kann ich eigentlich gar nichts dazu sagen. Sie haben gerade gesehen, wie ich mit Mitarbeitern umgehe. Ich bemühe mich, gegenüber Mitarbeitern sehr freundlich und offen zu sein, meine Türe ist geöffnet und ich bin gut erreichbar, das wage ich ganz klar von mir zu behaupten. Insofern wäre es sinnvoll, wenn sich die Personalvertretung direkt an mich wendet.

Bei meinen Recherchen war ein zentraler Punkt, dass Sie fachliche Probleme hätten. Die Abteilung war zuvor als eine Gesundheitsrechtsabteilung ausgelegt und Sie sind jakeine Juristin. .

DEUTMEYER: Sie müssen das im Kontext des nunmehrigen Kompetenzzentrums sehen, das ein breites Spektrum von Gesundheit abdeckt. Bei der Ausschreibung standen unterschiedliche Anforderungsprofile darin. Der Job ist wesentlich dem Management zuzuordnen, wofür man nicht zwingend Jus studiert haben muss.

Monate vor der Objektivierung schrieben wir, dass der Name des Siegers mit D beginnt und mit R enden wird…

DEUTMEYER: Es hat ein ganz objektives Verfahren für Ausschreibung und Auswahl gegeben, nach den Maßgaben des Landes.

Warum wurde dann in der Kommission auf den üblichen externen fachlichen Gutachter verzichtet? Als fachlich geeignete Juroren wirkten Landesamtsdirektor Dieter Platzer und Gerhild Hubmann, die Leiterin der Abteilung Bildung, Generationen und Kultur.

DEUTMEYER: Das müssen sie den Landesamtsdirektor fragen

Es gab im Herbst Irritationen, weil Sie den Titel Landessanitätsdirektor beanspruchten, obwohl Sie keine Ärztin sind. Ist es jetzt Unterabteilungsleiterin Elisabeth Oberleitner, eine Medizinerin, oder ist sie es nicht?

DEUTMEYER: Das ist noch offen.

Es gibt aber meines Wissens eine Stellungnahme des Verfassungsdienstes, dass der Titel Oberleitner zusteht, weil sie diese Tätigkeit tatsächlich ausübt.

DEUTMEYER: Grundsätzlich gibt es kein Anrecht darauf.

Nach derzeitiger Rechtslage muss der Landessanitätsdirektor aber ein Arzt sein.

DEUTMEYER: Das ist eine Soll- und keine Mussvorschrift.

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