Von Reparaturmedizin hin zu einer aktiven Gesundheitsvorsorge

McDonald, Peter: Von Reparaturmedizin hin zu einer aktiven Gesundheitsvorsorge
Die Presse, 30. 12. 2011, 31

Gastkommentar.

Die SVA hat ein Modell entwickelt, um aus den jetzigen Krankenkassen künftige Gesundheitsversicherungen zu machen.

VON PETER MCDONALD

Internationale Studien von EU-Kommission und OECD zeigen, dass Österreich zwar eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, die Menschen jedoch ungesünder leben als andere Europäer. Trotz einer hohen Lebenserwartung von durchschnittlich 80,4 Jahren verlieren die Österreicher/innen mehr als 20 Jahre an Lebensqualität durch Krankheit. Im Schnitt verleben wir nur 59,4 beschwerdefreie, gesunde Jahre, um 1,3 Jahre weniger als im EU-Vergleich.

Was ist der Grund dafür, dass zwar Jahr für Jahr über 30 Mrd. Euro ins Gesundheitswesen fließen, diese große und wichtige Investition aber demografisch nicht entsprechend sichtbar ist? Unser System ist noch immer viel zu stark auf die Reparaturmedizin ausgerichtet und setzt demnach erst ein, wenn die Menschen krank sind.

In Prävention investieren

Wir brauchen jetzt den Schwenk zu aktiver Gesundheitsvorsorge. Wir müssen bewusst in Prävention investieren, um chronische Krankheit, Spitalsaufenthalte, Dauermedikation, Frühpension und Erwerbsunfähigkeit zu reduzieren.

Dieser Schwenk zu Prävention als fundamentale Leistung des Gesundheitswesens wäre eine real spürbare Gesundheitsreform, die diesen Namen wirklich verdient. Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) hat sich dazu entschlossen, diesen revolutionären Weg einzuschlagen und ein Modell zu entwickeln, wie aus den Krankenkassen Gesundheitsversicherungen werden.

Ab 1. Jänner 2012 brechen für alle Selbstständigen neue Zeiten an – mit dem Vorsorgeprogramm „Selbständig Gesund“. Die Sozialversicherung der Gewerbetreibenden soll damit zum Präventionsleitprojekt und Vorbild für andere Träger werden. Erste positive Bewertungen gibt es bereits im Vorfeld von zahlreichen Gesundheitsexperten und Ökonomen. Die Zauberworte auf dem Weg zur Gesundheitsversicherung: Freiwilligkeit, Eigenverantwortung, Anreiz und Kooperation. Alle Partner sind gefordert, und im Zentrum stehen eigenverantwortliche Versicherte, die gemeinsam mit ihrem Vertrauensarzt einen gesunden Lebensweg einschlagen oder weitergehen.

Stärkung der Hausärzte

Besonders wichtig bei der Konzeption des neuen Präventionsmodells ist deshalb die Stärkung der Hausärzte. Sie sind die Lotsen durch das Gesundheitssystem und die Gesundheitscoaches.

Anreizsysteme erhöhen die Erfolgsquoten von Vorsorgeprogrammen drastisch. Deshalb beinhaltet auch „Selbständig Gesund“ ein Anreizsystem – einen finanziellen Vorteil für alle teilnehmenden Versicherten. Wer bereit ist, anhand von fünf Gesundheitszielen (Blutdruck, Gewicht, Bewegung, Tabak und Alkohol) seinen Lebensstil zu verbessern oder stabil zu halten, für den halbiert sich der Selbstbehalt für alle ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen.

Das österreichische Gesundheitssystem trägt ein hohes Reformpotenzial in sich. Schriftliche Belege dafür gibt es bereits genug -jetzt müssen Taten folgen.

Das Betreten von Neuland

Als SVA haben wir den Vorteil, ein bundesweit agierender Träger zu sein mit einer Versichertengemeinschaft, die ungefähr sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung entspricht. Wir wollen im Kleinen vorzeigen, was mit Engagement und Innovationskraft in bestehenden Strukturen möglich ist und mit unserem Vorsorgeprogramm Neuland in der österreichischen Sozialversicherung betreten.

Mag. Peter McDonald ist seit Jänner 2011 stellvertretender Obmann der SVA, Mitglied der Trägerkonferenz im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und stellvertretender Vorsitzender aller Sozialversicherungsträger.

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