Manegolds neues Auto „stillgelegt“

Rausch, Wolfgang: Manegolds neues Auto „stillgelegt“
Kleine Zeitung, 2. 12. 2011, 16f

WOLFGANG RAUSCH

Trotz drastischen Sparkurses wollte sich die Kabeg-Chefin eine Luxuskarosse genehmigen. Betriebsrat „bremste“ sie kurzfristig aus.

Gleich zwei Debakel musste Kabeg-Chefin Ines Manegold innerhalb von 24 Stunden einstecken. Erst gingen Mittwoch rund um ihr neues Dienstauto die Wogen hoch, dann wurde sie Donnerstagvormittag auch noch in der Spitzelaffäre um eine Ärztebetriebsversammlung im Klinikum Klagenfurt durch ein weiteres Dokument (siehe rechte Seite) endgültig der Lüge überführt. Einem angesehenen Primararzt des Klinikums Fehlwahrnehmungen zu unterstellen, kann sie sich aufgrund der jetzigen Sachlage endgültig sparen.

Die Frage ist nun, wie Manegold den Ankauf eines neuen Dienstautos rechtfertigen will, der Mittwoch kurzfristig gestoppt wurde, nachdem die Kleine Zeitung bei Zentralbetriebsratschef Arnold Auer nachgefragt hatte, wie sich ein Luxusauto für die Vorstandsdirektorin mit dem den Kärntner Landesspitälern verordneten Sparkurs vereinbaren lasse. In der Vorwoche hatte beispielsweise die Nachricht für Kopfschütteln gesorgt, dass man im Klinikum Klagenfurt per Erlass sogar das Kaffeekochen auf den Stationen und das Aufladen von privaten Handys verbieten wollte (was übrigens Manegold persönlich aufhob). Auer wusste vom Kaufeines neuen Dienstautos nach nur eineinhalb Jahren noch nichts und stach in der Folge jedenfalls in ein Wespennest. „Eine Stunde nach einem Telefonat mit Kabeg-Finanzchef Martin Payer hat er mich zurückgerufen und mir mitgeteilt, dass der Autokauf Geschichte ist“, so Arnold Auer.

Wechsel nach 18 Monaten

Ines Manegold ließ dazu gestern über Pressesprecherin Kerstin Wrussnig ausrichten: „Es gibt kein Auto.“ Das ist nicht falsch, aber doch nur die halbe Wahrheit. Albert Kreiner, der Vorsitzende der Expertenkommission, stellte gestern klar, dass die Bestellung stillgelegt sei. Es sei in Abstimmung mit dem Kabeg-Fuhrpark zu überprüfen, ob ihr aktuelles Auto nicht in jenen eingebracht werden kann.“ Über den Ankauf eines neuen Autos könne Manegold prinzipiell autonom entscheiden.

Derzeit fährt Ines Manegold einen BMW X1, einen SUV, den sie im Juni 2010 übernahm und

der Recherchen der Kleinen Zeitung zufolge einen Listenpreis von 54.000 Euro hatte und nach Abzug eines Rabatts 38.000 Euro kostete. Bei dem nunmehr bestellten und stillgelegten Fahrzeug handelt es sich laut Albert Kreiner um einen Audi A 4 mit Allradantrieb. Aufgrund des genannten Preises von 60.000 Euro dürfte es aber ziemlich sicher ein Modell aus der teuren und exklusiven S-Line sein. Rechnet man 20 Prozent Steuer dazu, kommt man nämlich auf exakt die Summe von 72.000 Euro, die der Kleinen Zeitung aus Kabeg-Kreisen als Kaufpreis genannt wurde.

Diesen Quellen zufolge soll der Listenpreis des Wagens 94.000 Euro betragen.

Drei krasse Fehlleistungen

Spitzelaffäre, Klage gegen Betriebsrat, Druck auf Primar -Kabeg-Chefin Ines Manegold weist die Verantwortung dafür anderen Personen zu. Chef der Expertenkommission „prüft“.

ANTONIA GÖSSINGER

Ich bin keine Juristin. Deshalb bin ich davon ausgegangen, der Anwalt weiß, was er tut.“ So rechtfertigt sich Ines Manegold, die Chefin der Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft (Kabeg) in der Spitzelaffäre. Anwalt Robert Kugler hat einen Mitarbeiter im Oktober des Vorjahres in eine Betriebsversammlung der Ärzte entsandt. In der Folge entließ Manegold den Medizinischen Direktor des Klinikums Klagenfurt, Matthias Angres. Ein in der Vorwoche aufgetauchtes Protokoll nennt Manegold als Auftraggeberin. Gestern tauchte ein weiterer Beleg auf: ein Aktenvermerk des damaligen Betriebsdirektors Herwig Wetzlinger, gegengezeichnet von Primarius Georg Pinter. Darin wird gleichfalls festgehalten, Manegold habe erklärt, „einen Informanten“ in die Versammlung entsandt zu haben.

Kommission am Zug

Bei einer Pressekonferenz bestritt Manegold gestern gar nicht, dass sie in einer Besprechung über die Anwesenheit eines Informanten gesprochen habe. Sie bestritt aber, Auftraggeberin gewesen zu sein. Die Aktion sei eine „Dummheit“, ein „Fehler“ gewesen. Verantwortlich dafür machte sie Anwalt Kugler.

„Hat sie es vorher gewusst oder im Nachhinein erfahren“, ist für Albert Kreiner, den Vorsitzenden der Expertenkommission, die Frage. Um das zu klären, führe er Gespräche. Dann werde er die nächsten Schritte der Kommission entscheiden.

Ein Gesprächspartner von Kreiner war Primarius Pinter. An die Medien ging die Information, Pinter werde massiv unter Druck gesetzt. Manegold wies jede Verantwortung von sich und spielte den Ball an Kreiner weiter: „Er hat die Sache in der Hand.“ Der Vorsitzende der Expertenkommission dementierte ebenfalls, Druck auf Pinter ausgeübt zu haben „Er könnte es nicht einmal so verstanden haben“, so Kreiner.

Mitarbeiter die Schuldigen

Auch bei einer dritten krassen Fehlleistung schob die Kabeg-Chefin die Verantwortung auf eine andere Person: bei der Klage der Kabeg gegen einen Betriebsrat. Bernhard Schaller verweigert die Zustimmung zur Demontage eines vormaligen Abteilungsleiters. Deshalb zitiert ihn die Kabeg vor das Arbeitsgericht. Das sei auf Empfehlung von Kabeg-Personalchef Dieter Errath erfolgt, sagte Manegold gestern. Ihre Erklärung: „Ich muss mich auf das Fachverständnis meiner Mitarbeiter verlassen. Ich verlasse mich ja auch bei IT-Angelegenheiten auf Sachbearbeiter.“

„Müssen Klinikum für Ärzte attraktiv machen“

Kabeg erarbeitet einen Ausbildungsplan.

Als in den letzten Wochen von einer „Ärzte-Flucht“ aus dem Klinikum Klagenfurt die Rede war, wurde dies heftig dementiert. Die „Ärzte-Flucht“ wurde gestern bestätigt, wenn auch mit anderen Worten. „Derzeit wechseln ältere, spezialisierte Fachmediziner in den niedergelassenen Bereich, diese fehlen in den Spitälern“, schilderte Primarius Rudolf Likar, Vorstand der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin, in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Kabeg-Chefin Ines Manegold. Dazu komme, dass viele Arzte in Pension gehen und Nachschub an jungen Ärzten fehle.

„Wir müssen Anreize schaffen, dass Fachärzte hierbleiben und wir müssen das Klinikum als Lehrkrankenhaus attraktiv machen“, nannte Likar als Ziel eines Projektes, bei dem mit einem externen Experten der künftige Ärzte-Bedarf errechnet wird. „Dann brauchen wir die Unterstützung der Politik. Für die Ausbildung muss Geld vorhanden sein“, meinte Likar. Das Wichtigste sei aber die Wertschätzung, so der Primar. Für die Entwicklung des Mediziner-Entwicklungsfahrplans will man die Zusammenarbeit mit der Ärztekammer suchen.

Neuer Leiter

Zum Leiter der Kabeg-Stabs-stelle „Medizinstrategieentwicklung“ machte Manegold den Ärztlichen Leiter des LKH Wolfsberg, Primarius Hartwig Pogatschnigg. Er folgt Thomas Koperna, der entlassen wurde.

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