„Gleichheit macht gesund und glücklich“: ein neuer Schwerpunkt von „Solidarisch G’sund“

Beim letzten Treffen von „Solidarisch G’sund“ in Klagenfurt gab es einen Input mit dem Titel „Gleichheit macht gesund und glücklich“

Der Input von Andreas Exner basierte auf dem Bestseller von Richard Wilkinson und Kate Pickett, „The Spirit Level“ im englischen Original. Darin geht es um die Auswirkungen von Ungleichheit und eine Perspektive der Gleichheit, die den Wohlstand für alle Menschen erhöht.

Warum ist Gleichheit so wichtig?

1. Einkommensungleichheit ist der wesentliche Faktor für Erkrankungen und soziale Missstände im Vergleich reicher Gesellschaften (und spielt auch im Vergleich armer Gesellschaften eine wichtige Rolle). Ursächlich wirksam ist dabei der Dauerstress, den die Statuskonkurrenz bewirkt. Statuskonkurrenz nimmt mit wachsender Einkommensungleichheit zu. Eine sehr große Zahl an Untersuchungen weist nach, dass die Angst vor Statusbewertung und Statusverlust der Stressfaktor Nummer 1 ist. Es ist daher nicht die absolute Armut (in reichen Gesellschaften), sondern die Einkommensungleichheit, die Menschen krank und unglücklich macht. Die Ungleichheit selbst ist das Problem, nicht die absolute Armut.

2. Das absolute Reichtumsniveau einer (reichen) Gesellschaft ist dagegen für Gesundheitsniveau und Wohlbefinden der Menschen irrelevant.

3. Die Erhöhung von Einkommensgleichheit löst viele Probleme auf einmal

4. Mehr Gleichheit verbessert auch die Gesundheit der Reicheren

5. Hohe Lebenserwartung und ein hoher Lebensstandard sind auch bei einer mehrfach kleineren Wirtschaftsleistung möglich

6. Der ökologisch problematische Konsumismus wird durch die Statuskonkurrenz in ungleichen Gesellschaften verursacht

7. Eine Schrumpfung der Wirtschaft ist ökologisch notwendig

8. Selbstverwaltete Betriebe (Solidarische Ökonomie) und eine Ausweitung nicht-monetärer Sektoren sind für die Erhöhung der sozialen Gleichheit und zur Schrumpfung der Wirtschaft notwendig

Die verheerenden Auswirkungen der Einkommensungleichheit

Beispielhaft aus der Fülle an empirischen Untersuchungen, die zum Zusammenhang von Einkommensungleichheit und Krankheit bzw. soziale Missstände bestehen, hier drei Folien. Die erste zeigt den Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und der Häufigkeit von Fettleibigkeit, die zweite den Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und dem Prozentsatz geistig Erkrankter, die dritte einen „Wohlstands-Index“ und seine Abhängigkeit von der Einkommensungleichheit.

Fettleibigkeit ist das Resultat von Einkommensungleichheit (dem Ausdruck sozialer Ungleichheit), und zwar aus drei Gründen: (1) nehmen Menschen in ungleicheren Gesellschaften mehr Kalorien zu sich, (2) machen sie im Durchschnitt weniger Bewegung und (3) lagert der Körper von Menschen, die in ungleichen Gesellschaften leben, mehr Fett an (v.a. um die Hüften). Experimente mit Ratten zeigen, dass diese mehr Fett und Zucker zu sich nehmen, wenn sie gestresst sind. Das „Wohlfühlessen“ gibt es also nicht nur beim Menschen, sondern ist durch tief verankerte physiologische Bedürfnisse verursacht, die der Dauerstress auslöst. Weiters ist bekannt, dass der Stress, unter dem Mütter stehen, sich auf den Fötus auswirkt. Stressfaktor Nummer 1 ist die Statuskonkurrenz und die Bewertung des sozialen Status. Man nimmt an, dass Babies von gestressten Müttern mit größerer Wahrscheinlichkeit fettleibig oder übergewichtig werden.

Der Anteil geistig Erkrankter ist fast linear mit der Einkommensungleichheit korreliert:

Bildet man einen (ungewichteten) Index aus verschiedenen Indikatoren für den „Wohlstand“, dann ergibt sich ein fast linearer Zusammenhang mit der Einkommensungleichheit.

Wohlstand durch Solidarische Ökonomie

Die Diskussion erbrachte das Resultat, dass „Solidarisch Gsund“ diese Argumentation zu einem Kernthema machen sollte: Gleichheit macht gesund und glücklich! Die notwendige Gleichheit basiert auf (1) Kooperativen, (2) der Gesundschrumpfung der Wirtschaft und einer (3) Ausweitung des nicht-monetären Sektors.

Kurz gesagt: Gleichheit braucht eine Solidarische Ökonomie – und eine Solidarische Ökonomie beruht auf Kooperativen ohne Management und Lohnabhängigkeit, wo allen alles gleichermaßen gehört.

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