Große Gefahr für Schweigepflicht

Benedikt, Robert: Große Gefahr für Schweigepflicht
Kleine Zeitung, 18. 11. 2011, 26

Die Ärztekammer lehnt den aktuellen Entwurf der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) ab.

Der Gesetzesentwurf für die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) soll noch heuer beschlossen werden. Warum ist die Ärztekammer nicht einverstanden?

GERT WIEGELE: Alle Patienten sollen automatisch in das ELGA-System aufgenommen werden, ohne vorher gefragt zu werden. Auch alle niedergelassenen Ärzte will man in das System zwingen. Dann müssten sie alle Befunde ihrer Patienten an die Datenbank weitermelden.

Was geschieht im Fall der Umsetzung mit der ärztlichen Schweigepflicht?

WIEGELE: Diese Schweigepflicht ist seit jeher ein Grundpfeiler der Beziehung zwischen dem jeweiligen Arzt und seinen Patienten. Sie ist im Ärztegesetz verankert. ELGA würde diese Pflicht ohne Diskussion in Gefahr bringen.

Sind die Kärntner Ärzte prinzipiell gegen die elektronische Erfassung dieser Daten?

WIEGELE: Nein, weil sie in richtiger Form dem Patienten dienen kann. Voraussetzung muss aber sein, dass nur der Patient und sein Arzt darüber entscheiden, an wen und wann welche Daten geschickt werden. Dabei sollte besonders dem Hausarzt eine Schlüsselrolle zukommen.

Wer hat laut Gesetzesentwurf Zugriff auf diese sensiblen Daten?

WIEGELE: Das Ministerium will 100.000 Personen aus dem Gesundheitsbereich den Zugang erlauben.

Sind die Kosten für das EDV-System abschätzbar?

WIEGELE: Das Gesundheitsministerium hat offensichtlich geschönte Daten vorgelegt. Laut Schätzungen beträgt der Aufwand für den Aufbau des Systems über 500 Millionen Euro, die jährlichen Betriebskosten etwa 100 Millionen. Dieses Geld wird im Gesundheitssystem anderswo gebraucht.

Wie kann der Schutz der Patientendaten gewährleistet werden?

WIEGELE: Wenn Hacker sogar in bestens geschützte Datenbanken von Elektronikkonzernen wie Sony oder gar des US-Verteidigungsministeriums eindringen können, gibt es keine Garantie.

Wie will man Patienten zum Mitmachen bei der elektronischen Gesundheitsakte bewegen?

WIEGELE: Die Ärztekammer befürchtet einen indirekten Zwang. Daher drängt sie auf grundsätzliche Freiwilligkeit.

interview: robert Benedikt

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s