Offener Brief an Dwora Stein (GPA-djp): Weit mehr Lohn für Pflege in den KV-Verhandlungen durchsetzen!

Sehr geehrte Frau Dr.Stein,

als diplomierte Krankenschwester im mobilen Dienst würde ich gerne wissen, wie die derzeitigen Kollektivvertragsverhandlungen für den Pflegebereich laufen. In Kenntnis verschiedenster Arbeitsverhältnisse sehe ich, dass die Pflege, insbesondere die mobile Hauskrankenpflege, ein extrem schlecht bezahlter Beruf ist. Glauben Sie, dass es zeitgemäß ist, Teilzeitarbeitsverhältnisse mit derartiger Verantwortung wie in der Pflege mit 1100€ netto zu vergelten? Bei der Verantwortung und der Schwerstarbeit, die in der Pflege geleistet wird und vor allem der Notwendigkeit, mit der dieser Beruf hinkünftig attraktiv gemacht werden sollte, kann man die derzeitige Situation in der Pflege nur als katastrophal bezeichnen. Pflege kann und darf aufgrund der hohen physischen und psychischen Beanspruchung nur als Teilzeitarbeit ausgeführt werden und muss – ähnlich wie der Lehrberuf – mit ausreichend Regenerationszeit sowie auch finanziell bewertet und bezahlt werden, um den Beruf dauerhaft ohne Gesundheitsschäden ausüben zu können.

Die Erschwerniszulage beträgt lt .BAGS- Kollektiv 35%  der Gesamtstundenanzahl, das sind bei 25h Teilzeit pro Stunde á 0,95€ gerade 35€. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass damit die Erschwernis in der Pflege abgegolten wird? Wissen Sie, wieviel Männer an Erschwerniszulagen in vergleichbaren Arbeitsverhältnissen verdienen? Und dazu kommt noch, dass Pflegekräfte an Abenden, Wochenenden und Feiertags ständig zur Verfügung stehen und dabei gerade 60% Zuschlag erhalten. Eine Sekretärin, die am Wochenende  bzw Feiertag Arbeit leistet, bekommt dies zwischen 100 bzw. 200% abgegolten, weswegen tunlichst davon Abstand genommen wird. Da man Pflege jedoch nicht verschieben kann, wäre es höchst an der Zeit, diese anständig zu bezahlen, ansonsten der Mangel an inländischen hochqualifizierten Pflegekräften noch gravierender wird. Oder will man dezidiert nur noch zugewanderte PflegerInnen, da diese willig und leicht auzubeuten sind?

Hauskrankenpflege muss innerhalb der Pflege weit besser bewertet werden als dies bisher der Fall war. Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheint in der Pflege bis dato überhaupt kein Thema zu sein, wenn man sich die Arbeitszeiten ansieht. Denken Sie manchmal daran, wie Alleinerziehende zurande kommen – bei diesen Arbeitszeiten, mit diesen Rahmenbedingungen, bei dieser Entlohnung?

Die regelmäßigen Wochenend- und Abenddienste  müssen weit besser entlohnt werden als dies bisher der Fall war wie auch eine Anhebung des Grundgehalts nach skandinavischem Vorbild durchgesetzt werden muss. Ebenfalls müssen diverse Zulagen, die speziell den Bereich Hauskrankenpflege betreffen, neu definiert werden (tägliche Abänderung der Einsatzpläne, Arbeiten ohne geringste Hilfsmittel, erhöhte kognitive Adaptionsleistung  an aktuelle Gegebenheiten zugunsten der zu betreuenden Person, Klimazulage, erhöhte Aufwands- und SEG-Zulage (keine Waschgelegenheiten in Wiener Wohnungen, keine Aufzüge in Wohnungen im 4.Stock, keine Dienstkleidung durch den Arbeitgeber, keine einheitliche Zeitaufzeichnung durch unterschiedliche Wegstrecken, Verkehrsaufkommen, Verkehrsmittelbenützung (Fußgänger, Fahrrad, Auto, Öffis), MOCA extrem intransparent etc)

Es wäre höchst an der Zeit, dass Sie sich als Frau im Namen der zahlreichen in der Pflege beschäftigten Frauen (mit Kindern) bei den Verhandlungen entsprechend durchsetzen, ansonsten die Zukunft der Pflege in Österreich von Seiten der ArbeitnehmerInnen gefährdet ist.

Im Ersuchen, dass Sie die o.g.Punkte in die Verhandlungen entsprechend einbringen und den BAGS-Kollektiv deutlich verbessern, wie Sie dies bei einer Tagung der GPA-djp im September selbst verlautbarten, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Mag. Michaela Molnar

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