Landärzte werden systematisch vertrieben: Kärnten droht Kollaps

NN: Landärzte werden systematisch vertrieben: Kärnten droht Kollaps
Kärntner Tageszeitung, 29. 10. 2011, 12

Die gezielte Abwertung dieses Berufsstandes seitens der Gesundheitsreformer werde dramatische Konsequenzen haben, fürchtet der Österreichische Hausärzteverband. Immer weniger Interessenten. Zum Testfall wird eine Stellenausschreibung in Heiligenblut.

Klagenfurt. Hausärzte sterben aus. Zum einen werde dadurch den Hilfsbedürftigsten unserer Gesellschaft ihre wichtigste Vertrauensperson in Sachen Gesundheit entzogen. Zum anderen drohe ein volkswirtschaftliches Desaster, wenn statt qualitätsvoller Basisversorgung stets unreflektiert kostspielige Untersuchungen und Therapien angewendet würden. „Während in den Krankenhaussektor Milliarden fließen, wird dem Hausarztbereich durch explodierende Betriebskosten und beschämend niedrige Kassenhonorare der wirtschaftliche Boden entzogen“, betont Wolfgang Geppert, Vizepräsident des Österreichischen Hausärzteverbandes. Zusätzlich drohe die Allgemeinmedizin in einem Dickicht von überbordender Bürokratie und Fremdbestimmung unterzugehen. Die fatale Folge: Nachfolger für frei werdende Hausarztpraxen muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Nichts davon passiere unabsichtlich, ist Geppert überzeugt: „Wir sind Zeugen einer langsamen, aber sicheren und systematischen Vertreibung der Hausärzte“. Wie kurzsichtig das „Projekt Hausarztvernichtung“ ist, zeigt die Statistik. So hat der durchschnittliche österreichische Hausarzt rund 900 direkte Patientenkontakte im Monat, in denen rund 1.300 Beratungsergebnisse erzielt werden, wie eine breit angelegte Studie erfasste.

Mehr als ein „Pförtner“

Dass der Hausarzt mehr ist als ein „Pförtner“ im großen Haus der medizinischen Behandlungsoptionen, dessen wichtigste Funktion im Erstellen von Überweisungen bestünde, ist längst bestätigt. Denn nach wie vor werden neun von zehn Erkrankungen vom Hausarzt direkt erfolgreich behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei immer mehr Fälle von Hypertonie und Diabetes.

„Woher bekommen wir die 100 Haus- und Landärzte, die Kärnten ab 2015 braucht?“, fragt sich der Sprecher der niedergelassenen heimischen Ärzte Gert Wiegele. Schon jetzt melden sich weniger Bewerber für Stellen, die ausgeschrieben werden. In Klagenfurt haben kürzlich 17 Erstgereihte abgewunken und erst der 18. Kandidat zeigte Bereitschaft, die frei gewordene Kassenstelle anzunehmen. Ein echter Testfall wird die Ausschreibung der Stelle in Heiligenblut. „Wir werden sehen, ob sich jemand dafür interessiert. Für Randregionen ist es heute schon sehr schwierig Ärzte zu finden“, sagt Wiegele skeptisch.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s