Gleichheit macht gesund und „schlank“

Am 15.November fand an der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt das Seminar „Gesundheit für Alle“ statt. Nach einem Input von Martin Rümmele zur Struktur des österreichischen Gesundheitswesens hielt Andreas Exner einen Vortrag, die Folien „Gesundheit für Alle“ stehen hier zum Download bereit.

Viele glauben, dass individuelle Gesundheitsvorsorge sie vor übermäßiger Krankheit, unnötigem Unglück und zu frühem Tod schützt. Das ist unrichtig, wie Studien der Epidemiologen Richard Wilkinson, Kate Pickett und vieler anderer belegen. Es ist vielmehr die Einkommensungleichheit (als Ankerpunkt vielfältiger sozialer Ungleichheiten), die in reichen Ländern Erkrankungen drastisch ansteigen lässt, soziale Probleme erzeugt und die Lebenserwartung deutlich vermindert. Im Vergleich reicher Ländern spielt der durchschnittliche „Volkswohlstand“ für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen dagegen keine Rolle.

Die sieben Kernaussagen sind:

1. Einkommensungleichheit ist der wesentliche Faktor für Erkrankungen und soziale Missstände im Vergleich reicher Gesellschaften

2. Die Erhöhung von Einkommensgleichheit löst viele Probleme auf einmal

3. Mehr Gleichheit verbessert auch die Gesundheit der Reicheren

4. Hohe Lebenserwartung und ein hoher Lebensstandard sind auch bei einer mehrfach kleineren Wirtschaftsleistung möglich

5. Der Konsumismus wird durch die Statuskonkurrenz in ungleichen Gesellschaften verursacht

6. Eine Schrumpfung der Wirtschaft ist ökologisch notwendig

7. Selbstverwaltete Betriebe (Solidarische Ökonomie) sind für die Erhöhung der sozialen Gleichheit und zur Schrumpfung der Wirtschaft notwendig

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

6 Antworten zu “Gleichheit macht gesund und „schlank“

  1. Rudolf Dangl

    Ich bin mit allem im Wesentlichen einverstanden. Die Frage ist: wie setzen wir Bürger das um? Wir hätten ja alle Möglichkeiten, uns das Leben so einzurichten, wie wir es wollen, die paar Neoliberalen wären dabei keine nennenswerte Gegenkraft, die würden nicht ins Gewicht fallen.

  2. Rudolf Dangl

    Noch eine Bemerkung: Auch wenn man wenig Geld hat, muss man sich nicht zu Tode fressen. Wir können nicht jede Verantwortung für uns selbst auf andere abschieben. Die Menschenwürde achten, heißt in erster Linie einmal, seine eigene zu respektieren. Wer sich würdelos verhält, sollte sich nicht wundern, wenn andere seine Würde auch nicht besonders achten.

  3. Die „Neoliberalen“ sind wir alle – wie man zum Beispiel an der weiten Verbreitung des Vorurteils erkennt, dass „man selbst für die eigene Gesundheit verantwortlich“ sei. Wie ja auch in ihrem posting zum Ausdruck kommt, wenn ich es richtig lese.

    Was die medizinische Seite ihres postings angeht, so ist nachweisbar, dass Menschen in ungleicheren Gesellschaften sich allgemein weniger bewegen und mehr Kalorien pro Kopf zu sich nehmen als Menschen in gleicheren Gesellschaften. Damit ist der Prozentsatz an Fettleibigen und Übergewichtigen jedoch nicht restlos erklärbar. Die dritte wesentliche Variable ist eine Veränderung des Stoffwechsels, der aus der Statuskonkurrenz (dem damit einhergehenden Stress) resultiert.

    Ähnliches ist bei Ratten im Experiment nachweisbar: gestresste Ratten nehmen mehr Zucker und Fett zu sich.

    Es ist wesentlich, zu verstehen, dass Fettleibigkeit und Übergewicht kein Problem der „Unaufgeklärten“ ist. Ganz im Gegenteil: bereits die zweitreichste Einkommensschicht hat bereits einen höheren Anteil an Fettleibigen und Übergewichtigen als die reichste Schichte. Dieses Muster setzt sich über alle Einkommensschichten hinweg fort. Es ist vom Bildungsniveau unabhängig. Fettleibige Menschen wissen nachweislich besser über den Kaloriengehalt ihrer Nahrung bescheid als nicht Fettleibige.

    Würdelos ist die Ungleichheit und der fehlende Respekt vor dem Leiden daran, nicht ihre Opfer.

  4. …das heißt, um es nochmals klar zu sagen: Fettleibigkeit und Übergewicht ist KEIN Problem der Armen (wie Sie suggerieren, wenn ich es richtig verstehe). Fettleibigkeit und Übergewicht sind ein Resultat der sozialen Ungleichheit und vom absoluten Niveau des Reichtums unabhängig.

    Übrigens setzen die physiologischen Veränderungen, die zur verstärkten Anlagerung von Fett führen, vermutlich bereits im Mutterleib ein, weil der Stress, der aufgrund der Statuskonkurrenz in ungleichen Gesellschaften auf die Mutter einwirkt, sehr wahrscheinlich bereits Veränderungen im Fötus hervorruft.

    Die Verantwortung besteht darin, die Gleichheit zu vergrößern.

  5. Su Albrecht

    „Auch wenn man wenig Geld hat, muss man sich nicht zu Tode fressen.“ … also diese Bemerkung stößt mir bitter auf.
    1) geht es in diesem Artikel um Ungleichheit bzw Gleichheit das hat nichts mit viel oder wenig Geld zu tun.
    2) früher einmal gald wer viel Geld hat darf dick sein oder muss sogar dick sein damit man es gleich sieht das man gut betucht ist.
    3) in unserer Gesellschaft glaub ich das vorallem die Reicheren Essen gehen und sich viele Lebensmittel (schlechte aber auch bessere) leisten (können) und sich bei jedem Anlass ihrem Lebenlichen Wohl wittmen. Jemand der wenig Geld hat kann sich nicht jeden Tag oder einmal in der Woche ein Geschäftsessen oder „weil es Wochenende ist“ Essen leisten. Nicht mal die die Durchschnittsverdiener sind.
    4) die „ungesunden“ Lebensmittel sind oft die billigsten und auch die, die für kurze Zeit Wohlbefinden hervorrufen. zb. Schokolade (es in allen Preisklassen) oder Chips, Limonaden usw.
    5) ich glaube das Essen oft auch als Stressbewältigung genutzt wird. Heutzutage leben wir in Stress und begeben uns oft in Burn out. Schokolade, Alkohol sind da beliebte Fröhlich macher und Ersatz.
    Essen als Ersatzbefriedigung, Ventil usw.

    In Amerika zb. gibt es nach Wilkinson 12% Armut und mehr als 75% Übergewichtig.

  6. Pingback: Fettleibigkeit nimmt zu – Ursache „Einkommensungleichheit“ wird verschwiegen | Solidarisch G'sund

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