Offener Brief an die Gewerkschaft: Warum gibt es keine streikfähigen Gewerkschafterinnen mit Pflegeerfahrung?

Sehr geehrte Gewerkschaftsvertreter,

bedauerlicherweise gibt es kaum Frauen, die in dieser Sparte anzusprechen sind. Die vergangenen Kollektivvertragsverhandlungen bei den Metallern lassen darauf schließen, dass auch andere Sparten ein wenig höher als in den letzten Jahren abschneiden könnten. Als in der Hauskrankenpflege Beschäftigte erwarte ich selbstverständlich einen akzeptablen Abschluss, der dieser gesellschaftlich immer wichtiger werdenden Arbeit auch wirklich gerecht wird. Dass in dieser Branche vorwiegend Frauen tätig sind, sollte kein Kriterium sein, dass nicht anständige Lohnabschlüsse erzielt werden können. Sie werden mir recht geben, dass Teilzeitarbeit in dieser Branche aufgrund der ohnehin sehr unregelmässigen Dienstzeiten aufgrund der Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch nicht ausreichend finanziell honoriert wird.

Ganz bestimmt kann man mit einem Gehalt bei 25h, das etwas 1200€ ausmacht, eine Familie nicht ausreichend über die Runden bringen. Viele Beschäftigte sind Alleinerziehende. Die Arbeitszeitabrechnung über das Zeiterfassungsgerät MOCA, das meines Wissens hauptsächlich in der Hauskrankenpflege eingesetzt wird, führt letztlich zur finanziellen Besserstellung der Vereine, die die MitarbeiterInnen nach Minuten testen. Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen KollegInnen, die die Wegzeiten mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen. Diese Unterschiede führen zu unterschiedlichen Wegzeiten, die letztendlich auch zu unterschiedlichen Zeitaufzeichnungen führen. Die Mitarbeiterinnen werden genau danach abgerechnet, obwohl sie auf diese Weise zu höchst unterschiedlichen Wegzeiten kommen- der FSW putzt sich ab und sagt, sie zahlen für alle 15 Minuten, die Vereine kassieren und die Mitarbeiterinnen werden auf diese Art und Weise ausgespielt.

Wenn MOCA flächendeckend eingeführt wird, warum dann nur in der Hauskrankenpflege und nicht bei PolitikerInnen, Angestellten im öffentlichen Dienst oder LehrerInnen? Wenn ich jede Minute bei einem Kunden rechtfertigen muss, so erwarte ich dies bei jedem Angestellten, der über öffentliche Gelder bezahlt wird. Das entspricht dem Gleichheitsgrundsatz.

Bauarbeiter erhalten jede Menge Zulagen sowie auch Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. In der Pflege putzt man sich mit Sonn- und Feiertagszuschlägen von 60% ab bzw von Erschwerniszulagen von 36€ bei 35% der Gesamtarbeitszeit. Solche Regulierungen müssen neuverhandelt werden. Pflege ist Schwerstarbeit und hat entsprechend honoriert zu werden. Chefverhandler sollten Erfahrungen in der Pflege haben, und vor der Verhandlung einmal am besten 3Wochen Hauskrankenpflege absolvieren. Wieso sitzen am Verhandlungstisch keine Frauen mit Pflegeerfahrung?

Ich erwarte selbstverständlich, dass vor allem der Pflegebereich eine massive Anhebung des Grundgehalts ausverhandelt, sowie insbesondere die bekannten Erschwernisse in der mobilen Pflege entsprechend honoriert werden. Bei einer Stockung der Verhandlungen muss natürlich auch die Möglichkeit eines Streiks in der Pflege in Betracht gezogen werden, wie dies bei den Metallern auch gefruchtet hat.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. DGKS Alexandra Prinz

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Eine Antwort zu “Offener Brief an die Gewerkschaft: Warum gibt es keine streikfähigen Gewerkschafterinnen mit Pflegeerfahrung?

  1. Bauarbeiter

    Stimmt eigentlich, dass Pflege Schwerstarbeit ist und entsprechend bezahlt werden sollte.

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