Spitzenmedizin mit Ablaufdatum

Kleine Zeitung, 25. 9. 2011, 24

Dušan Schlapper bekam den Auftrag, eine „ordentliche Chirurgie“ zu etablieren. Trotz Europaklasse ist Zukunft der Abteilung aber ungewiss.

WOLFGANG RAUSCH

Ist Spitzenmedizin in einem abseitigen Bezirkskrankenhaus ökonomisch verantwortbar? Und sind dem Patienten lange Anfahrtswege zumutbar? Letztere Frage beantworten die Fallzahlen der Chirurgischen Abteilung am LKH Wolfsberg ganz eindeutig: ja. Selbst ein Berliner Kabarettist legte sich lieber im Lavanttal auf den OP-Tisch als in seiner Heimat oder anderswo und musste es nicht bereuen. Mit zwei künstlichen Darmausgängen kam er an, ohne einen solchen fuhr er wieder heim.

Diese Erfolgsgeschichte ist untrennbar mit dem Namen Dušan Schlapper verbunden, der vor zehn Jahren mit dem Auftrag anrückte, eine „ordentliche Chirurgie“ zu etablieren. Gemeinsam

mit den leitenden Oberärzten Erwin Schrofler und Georg Lexer und einem engagierten Team gelang sogar noch viel mehr. Wie ein Blick auf die Komplikationsraten belegt, stellen die Wolfs-berger auch renommierte Häuser in den Schatten und tummeln sich, wie man mit Stolz berichtet, im europäischen Spitzenfeld.

Auf vier Fachgebiete haben sich die Wolfsberger Allgemeinchirurgen spezialisiert: Magen-Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber und Brust, mit dem Schwerpunkt auf Krebsbehandlungen. Patienten aus allen Landesteilen, aber auch aus Slowenien, legen ihre Hoffnungen in die Hände des Lavanttaler Ärzteteams. Primarius Schlapper führt diesen Ruf auf die Spezialisierung und die fortwährende Weiterentwicklung zurück. Darin sind unmittelbar seine Oberärzte eingebunden, von denen jeder ein Gebiet verantwortet und nach vorne bringt. „Fortbildung ist alles“, weiß Schlapper, der sich freut, „dass ständig jemand von uns unterwegs ist“.

Jeder Schritt standardisiert

Eine wesentliche Säule der Wolfsberger Erfolge scheinen vereinheitliche Abläufe und Schemata zu sein. Schlapper: „Die OP-Schritte sind standardisiert, aufgrunddessen hat nicht nur der Operateur, sondern jeder im Team einen guten Vorausblick auf etwaige Komplikationen.“

Der Verlauf des chirurgischen Eingriffs ist für Schlapper das wichtigste Kriterium, ob die Wiederkehr einer Krebserkrankung verhindert werden kann oder nicht. Die Arbeit der Chirurgen hängt aber wesentlich von präziser Diagnostik ab, wobei es eine intensive Zusammenarbeit mit den Primarärzten Werner Fortu-nat (Interne) und Heinz Werner Umschaden (Radiologie) gibt. Und ebenso akribisch funktioniert die Nachsorge: Wer nicht alle drei Monate zur Kontrolle erscheint, wird, in eigenem Interesse, sanft angestoßen.

Spitzenmedizin hat ungeachtet aller Erfolge in der Chirurgie in Wolfsberg ein Ablaufdatum.

Laut Kabeg wird nicht am Plan gerüttelt, das Angebot künftig auf regionale Grundversorgung ausrichten zu wollen. Bis zu Schlappers Pensionierung bleibe das derzeitige Leistungsangebot aber bestehen, sagt Rudolf Likar, Vorsitzender einer von der Kabeg eingesetzten Planungsgruppe, die mit namhaften Kärntner Primarärzten besetzt ist.

Aus der Sicht von Dušan Schlapper ist es wohl ein Treppenwitz: Seine Patienten, „für die 60 Kilometer Autofahrt kein Problem mehr sind, weil sie das Grundrecht der freien Arztwahl begriffen haben“, werden irgendwann in den nächsten Jahren aus ökonomischen Gründen eine neue Route einschlagen müssen.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Eine Antwort zu “Spitzenmedizin mit Ablaufdatum

  1. Gertrude Sladek

    Ein plausibles und berechtigtes Erfolgsrezept!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s