„Dem Klinikum laufen die Ärzte davon.“

Kleine Zeitung, 20. 9. 2011, 14f

Ärztekammer warnt vor Mangel an Fachärzten im Klinikum. Strahlentherapie fehlen drei Mediziner. Kabeg spricht von Verunsicherung der Bevölkerung.

ULRIKE GREINER

Geharnischte Kritik an der Kabeg-Führung hagelte es gestern vonseiten der Kärntner Ärztekammer. Es drohe, wie Ärztekammer-Präsident Othmar Haas in einer Aussendung erklärte, ein massiver Mangel an Medizinern, wobei die Abteilung für Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum bereits am massivsten betroffen sei. „Zwei Kollegen wurden von deutschen Kliniken abgeworben, eine verdiente Ärztin geht in Pension“, rechnete Haas vor. Statt acht Fachärzten gibt es also nur mehr fünf.

Ein bereits 65-jähriger und damit pensionsberechtigter Mediziner hat einer Vertragsverlängerung für ein Jahr zugestimmt, sonst wäre es überhaupt zu einer Halbierung der Fachärzte an der Strahlentherapie gekommen.

„Zwei Assistenten, die eilig angestellt wurden, müssen erst die erforderlichen Ausbildungen absolvieren“, sagte Haas. Leidtragende sind die Patienten, die mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Betroffen sind vor allem Menschen mit Krebserkrankungen. Einen drohenden Mangel ortet Haas darüber hinaus bei Anästhesisten, Neuro- und Gefäßchirurgen, Pathologen und Thoraxchirurgen.

Die Verantwortung dafür schiebt die Ärztekammer ausschließlich der Kabeg-Führung in die Schuhe. Es herrsche ein miserables Arbeitsklima, die Bezahlung sei schlecht. Und auch um die Ausbildung des Mediziner-Nachwuchses kümmert sich die Kabeg laut Haas zu wenig.

Ebenfalls in einer Aussendung setzte sich Kabeg-Vorstandsdirektorin Ines Manegold gegen die Vorwürfe, die sie mit „wiederholtem Befremden“ zur Kenntnis nehme, zur Wehr. Die von der Ärztekammer diagnostizierte Flucht der Fachärzte bezeichnete Manegold als „Gerücht“. Die Fluktuation der Fachärzte sei zwischen 2006 und 2011 nicht angestiegen. Es sei zwar richtig, dass drei Oberärzte bis Ende 2011 aus der Abteilung für Strahlentherapie und Radioonkologie austreten, jedoch „wurden seitens der Kabeg sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die Stellen zeitgerecht nachzubesetzen“. Manegold erklärte darüber hinaus, dass das Gehaltsniveau in Kärnten österreichweit im Spitzenfeld liege. „Die Ängste der Bevölkerung zu schüren, weise ich aufs Tiefste und Entschiedenste zurück“, sagte Manegold.

DIE KRITIKPUNKTE DER ÄRZTEKAMMER

1. Arbeitsklima

Seit zwei Jahren, so die Ärztekammer, gebe es eine regelrechte Flucht von Fachärzten aus Kabeg-Häusern. „Fachärzte empfinden die Arbeitsbedingungen als so unattraktiv, dass sie lieber als Allgemeinmediziner in die Praxis gehen“, heißt es. Die Ärztekammer fordert humanere Arbeitsbedingungen. Man müsse den Medizinern unter anderem mehr Teilzeitmöglichkeiten anbieten. Haas befürchtet, dass noch mehr Spezialisten aus Kabeg-Häusern abwandern könnten.

2. Ausbildung

Nachholbedarf sieht die Ärztekammer in der Ausbildung des fachmedizinischen Nachwuchses, sonst droht ein noch größerer Medizinermangel. „Die Ausbildung des Nachwuchses wird seit Jahren sträflich vernachlässigt. Wir brauchen eine viel besser organisierte Ausbildung von jungen Ärzten“, lautet eine Forderung. Die Kabeg-Führung wird von der Ärztekammer aufgerufen, sich endlich um essenzielle Zukunftsfragen zu kümmern, denn bislang „wurde keine vorausschauende Personalpolitik betrieben“.

3. Schlechte Bezahlung

In anderen Regionen, so die Ärztekammer, verdienen Fachärzte um bis zu 70 Prozent mehr als in Kärnten. „Die Entlohnung muss attraktiver werden“, fordert Haas. „Wir können nicht hoffen, von anderswo Spezialisten zu bekommen.“ Die Ärztekammer will auch in Zukunft auf die Probleme aufmerksam machen.

INTERVIEW

Noch mehr Personal-Einsparungen befürchtet

Spitalsreferent Peter Kaiser fordert eine Anhebung des Landeszuschusses.

Vonseiten der Kärntner Ärztekammergibt es massive Kritik an der Kabeg-Führung. An verschiedenen Abteilungen herrscht Ärztemangel.

PETER KAISER: Die Verantwortung für das Personal liegt ausschließlich bei der Kabeg.

Warum wird gerade beim Personal so massiv eingespart?

KAISER: Bei Investitionen einzusparen, geht maximal ein Jahr gut. Dann ist man im Ausstattungsbereich nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Bei den Schulden kann man nicht ein-

sparen, da es sich um Darlehensfinanzierungen handelt. Das Personal macht 70 Prozent der Gesamtkosten aus.

Wie schaut es mit dem Landeszuschuss für alle Kabeg-Häuser aus?

KAISER: Er beträgt 230 Millionen Euro. Ich habe immer gefordert, diesen Deckel anzuheben. Erfolgt diese Anhebung nicht, ist zu befürchten, dass in Zukunft noch mehr Personal eingespart wird.

Werden genügend Jungärzte ausgebildet?

KAISER: Der fachärztliche Nachwuchs fehlt. Wurden früher 120 Turnusärzte im Jahr ausgebildet, so sind es jetzt nur mehr 80. Wir sind mit einer leichten Überalterung konfrontiert. Im Spitalsbereich beträgt das Durchschnittsalter der Mediziner 48 Jahre, im niedergelassenen Bereich 56 Jahre. Doch die Versorgung der Bevölkerung ist einzuhalten.

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