Das fehlende Augenmaß der Kabeg

Kleine Zeitung, 3. 9. 2011, 16

JOHANN NEUNER hinterfragt, wie Landesspitäler-Holding mit Steuergeld umgeht

Die Kabeg hat unter der Leitung von Ines Manegold in der Vergangenheit bewiesen, dass sie bei den Personalentscheidungen nicht zimperlich ist. Wer aufzeigt und kritisiert, läuft Gefahr, seinen Job zu verlieren. Diese Vorgangsweise geht nicht nur zulasten der Qualität, sondern kostet auch verdammt viel Geld. Der Rauswurf von Matthias Angres oder Thomas Koperna – beide verband das persönliche Vertrauen zur Kabeg-Chefin – sowie die Neubesetzung des Leiters der Finanzstelle durch den ehemaligen stellvertretenden Klubdirektor der ÖVP Martin Payer sprechen Bände.

Das jüngste Beispiel war die Einigung mit dem abberufenen Betriebsdirektor im Klinikum Klagenfurt Herwig Wetzlinger. Bis heute weiß man nicht, welche Kosten bei der einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses angefallen sind. Erfolgt eine Gehaltsfortzahlung bis zum Ende der Laufzeit seines Dienstvertrages? Hat er einen Anspruch auf eine Firmenpension? Gibt es sonstige Zugeständnisse? Fragen, die in der Öffentlichkeit tabuisiert werden, obwohl der Steuerzahler hiefür aufkommen muss. Daher sind Antworten einzufordern.

Dass der von der Kabeg „entsorgte“ Mitarbeiter nunmehr als stellvertretender Direktor der größten Klinik in Europa (AKH) für die Bereiche Wirtschaft, Technik und Finanzen verantwortlich ist und sich in einem Auswahlverfahren gegen 36 Mitbewerber behauptet hat, müsste eigentlich den Verantwortlichen der Kabeg zu denken geben. Sollte sich nachträglich herausstellen, dass Herwig Wetzlinger einen Golden Handshake erhalten hat, wäre dies ein Skandal. Nach außen abmontieren und nach innen belobigen – das würde einfach nicht zusammenpassen.

In dieses Bild fügt sich auch die Situation in der Augenabteilung im Klinikum. Während die Wartezeiten für die Krankenkassenpatienten für Kataraktoperationen zehn Monate betragen, operiert der Primarius die privat versicherten Patienten im Sanatorium Maria Hilf. Anstatt man diesem und den anderen Ärzten die Möglichkeit einräumt, die OP-Säle des Klinikums am Nachmittag zu nutzen, überlässt man das Geschäft lieber der Konkurrenz. Das gibt es auch nur in Kärnten und ist ein Teil der „Part of the Game“-Politik. Man muss sich nur die Leistungsabrechnung zwischen dem Land Kärnten und den privaten Zusatzversicherungen anschauen. Diese liegt deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Dadurch entgehen den Landesspitälern jährlich Einnahmen in Millionenhöhe.

Um die Probleme im Gesundheitswesen zu lösen, ist Augenmaß einzufordern. Ein weiter so wie bisher wird sich das Land finanziell nicht leisten können. Mit fragwürdigen Personalentscheidungen und Festhalten am System ist den Patienten jedenfalls nicht geholfen.

DDr. Johann Neuner, Wirtschaftsprüfer in Klagenfurt & Schuhhaus-Rex-Inhaber

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