Vom Klinikum an Europas größte Klinik

Benedikt, Robert: Vom Klinikum an Europas größte Klinik. Kleine Zeitung, 21. 8. 2011, 16f

Das AKH Wien baut auf die Kompetenz des von der Politik ausgebremsten Klagenfurter Spitalsmanagers Herwig Wetzlinger.

KÄRNTNER DES TAGES

ROBERT BENEDIKT

Das Jahr 2011 ist für Herwig Wetzlinger ein besonderes: Heuer feiert er sein 25-jähriges Berufsjubiläum, seinen 50. Geburtstag und die silberne Hochzeit. Und am 1. September tritt er seinen neuen Job als stellvertretender Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) an, der größten Klinik Europas. Dort wird er für Wirtschaft, Technik und Finanzen zuständig sein. Beim Auswahlverfahren hat er sich gegen 36 Mitbewerber durchgesetzt. Das macht ihn stolz und glücklich, kommt aber keineswegs von ungefähr. Wetzlinger hat als kaufmännischer Direktor die Riesenaufgabe „LKH neu“ in Klagenfurt ohne Kostenüberschreitung und Zeitverzug realisiert, noch dazu in stürmischen Zeiten. Damit hat er in ganz Europa Erstaunen und Bewunderung geerntet und durfte zahlreichen Delegationen die Vorzüge des neuen Hauses präsentieren. Im Heimatland wusste man diese Leistung offenbar nicht zu schätzen. Wie erinnerlich wurde der Vater des „LKH neu“ am 8. März ohne Angabe von Gründen als Betriebsdirektor des nunmehrigen Klinikums Klagenfurt am Wörthersee abberufen, was Fachleute mit einem Kopfschütteln quittierten. Zuletzt arbeitete Wetzlinger am Konzept für eine Tochterfirma der Kabeg, im Bereich Consulting, bevor ihm jetzt der Ruf an Österreichs größtes Spital ereilte. „Ich freue mich schon sehr auf die neue Tätigkeit und hoffe, dass ich in Wien auch auf eine so motivierte und qualifizierte Gruppe von Mitarbeitern treffen werde, wie hier in Klagenfurt,“ sagt er und ist sich bewusst, dass ihn eine heikle Mission erwartet. Denn auch dem AKH droht ein rigides Sparprogramm.

Der Arbeitsvertrag läuft über fünf Jahre. Weil seine Familie in Klagenfurt bleibt, wird Wetzlinger pendeln. Damit hat er jedoch kein Problem. Denn schon während seiner Tätigkeit für die österreichischen Drau-Kraftwerke (ÖDK) mit Dienstorten in Klagenfurt, Salzburg, Steyr und Wien war der heutige Krankenhausmanager sehr viel auf Achse: „Ich fahre gerne mit dem Auto“. Überdies ist längst ausgemacht, dass ihn Ehefrau Karin und die Töchter Edda (21) und Ute (22) des Öfteren in der Bundeshauptstadt besuchen werden. Edda, die in Graz BWL studiert, wird möglicherweise sogar ihren Studienplatz nach Wien verlegen. Auch im neuen „Job“ wird der begeisterte Hobbykoch danach trachten, die Wochenenden möglichst frei zu halten. Denn seine Steckenpferde Golf, Schwimmen und Schifahren wollen gepflegt werden. Umso mehr als der gelernte Elektrotechniker in Bad Kleinkirchheim ein Haus geerbt hat, das einem ständigen Erneuerungsprozess unterzogen wird. Für diesen Zweck müssen jedoch Profis herangezogen werden, denn: „Zum großen Bedauern meiner Frau habe ich keinerlei handwerkliche Fähigkeiten.“

Die macht er mit seinen Kochkünsten wett. „Ich experimentiere gern, bekoche Familie und Freundeskreis.“ Bevorzugtes Grundmaterial: Fisch. Auch „ein gutes Glas Wein“ gehört zum Wetzlinger-Menü, allerdings mit Maß und Ziel. Den sportlichen Ausgleich findet der begeisterte Familienmensch vor allem beim Schwimmen. In seiner Jugend war er Rettungsschwimmer am Badeteich in St.Andrä.

2000 engagierte der damalige Kabeg-Chef Franz Sonnberger den EDV-Experten Wetzlinger für die Umstellung auf ein neues Computersystem. 2002 avancierte er zum kaufmännischen Direktor des LKH Klagenfurt, mit der Mammutaufgabe, das neue Klinikum zu errichten. Er erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. Für die gute Arbeit gibt es einen Beweis: Das Planungsteam wurde fast unverändert in die Bundeshauptstadt geholt, wo es heute das Klinikum Wien-Nord baut.

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