„Unsere Medizin ist nicht überall 1a mit 3 Sternderln“

Wassermann, Kerstin: „Unsere Medizin ist nicht überall 1a mit 3 Sternderln“. Kronenzeitung, 21. 8. 2011, 22f.

Sie sei direkt, sagt sie. Hart sagen andere dazu. Sie sei konsequent. „Aber auch das kann man anders auslegen“, gibt die umstrittene Kabeg-Chefin Ines Manegold zu. Warum sie sich in einen Rollstuhl gesetzt hat und welche Pläne sie für Kärntens Gesundheitssystem noch hat, erzählt sie hier.

Frau Manegold, die absolute Herrscherin über Kärntens Krankenhäuser – so nennt Sie zumindest der Gesundheitsreferent Kaiser.

Ach, mei, durch das neue Kabeg-Gesetz wurden mir nahezu unendlicher Freiraum, aber auch unendliche Verantwortung gegeben. Ich sehe das wie ein Bild – der Rahmen ist vorgegeben, die Spielregeln sind klar, aber malen kann ich ganz frei.

Sie gelten als Hardlinerin, die unliebsame Mitarbeiter schnell vor die Tür setzt.

Sie meinen jetzt sicher wieder den Dr. Koperna.

Zum Beispiel.

Also erstens ist das ein laufender Arbeitsrechtsprozess, wo ich gar keine Informationen geben kann, darf und will. Und zweitens: Wenn das die Schwester A auf der Station gewesen wäre, hätte keiner gefragt.

Es handelt sich aber stets um Führungskräfte, die Sie loswerden wollen. Und manchmal, verzeihen Sie, werden Ihnen zu diesen Naheverhältnisse nachgesagt.

Da darf ich lachen – weil mir wurden schon von Anfang an diverse Naheverhältnisse unterstellt, zum Glück wenigstens immer mit recht ansehnlichen Männern. Aber das alles ist einfach nicht wahr.

Ärgert Sie so etwas – ein Mann müsste sich das so vermutlich nicht anhören.

Sie meinen, das passiert, weil ich eine Frau bin?

Ich weiß es nicht. Aber gerade in Kärnten haben wir ja nicht unbedingt viele Frauen in Führungspositionen.

Das mag stimmen. In Deutschland war die weibliche Vorstandsquote in Unikliniken bei 30 Prozent. So gesehen nehme ich mich da nicht mehr als Exotin wahr, auch wenn ich in Österreich derzeit die einzige Frau in so einer Position bin.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Eher direkt. Und das wird dann als hart ausgelegt, so wie Sie das vorhin gemeint haben. Auch dass ich konsequent bin, kann man vielleicht anders auslegen.

Es wird etwa beklagt, dass Sie Order ausgeben, ohne die Mitarbeiter oder den Betriebsrat zu informieren.

Der Tag hat nur 24 Stunden, und manchmal schaffe ich es nicht, alles auszureden – aber ich bin lernfähig. Ich habe gemerkt, dass das nicht gar so gut ankommt.

Ihr Management ist vom Wirbel ums LKH neu geprägt.

Im Klinikum gibt es immer noch viel zu tun. Mein Anliegen ist es auch, die Anlage barrierefrei zu machen. Sind Sie übrigens schon mal in einem Rollstuhl gesessen?

Nein.

Ich habe das ausprobiert. Und gemerkt, dass ich normale Steigungen nicht schaffe. Seither nehme ich die Hindernisse, die wir behinderten Menschen in den Weg stellen, sehr viel ernster.

Viele Patienten scheinen sich im Klinikum sowieso nicht zurechtzufinden.

Ja. Das Leitsystem ist noch ein Sorgenkind. Es gibt ja auch so Pannen wie die, dass auf die WC-Piktogramme vergessen wurde. Ich hab’s auch erst gemerkt, als ich dreimal fragen musste, wo denn eine Toilette ist.

Dramatischer scheint aber, dass es auf Abteilungen eklatanten Ärztemangel gibt.

Das liegt daran, dass viele Mediziner gleichzeitig eine Praxis bekommen haben. Und in Kärnten steht eine Pensionierungswelle niedergelassener Ärzte bevor – da werden uns noch mehr Kollegen verlassen, fürchte ich.

Bekommt man denn so schwer Ersatz?

Schauen Sie sich an, wie viele Mediziner nach dem Studium nicht als Ärzte arbeiten. Für mich ist jeder, der sich das aufwändige Studium finanzieren lässt und dann seine Berufung als Arzt

vergisst, ein volkswirtschaftlicher Super-Gau! Die Studentenzahlen sind hoch, aber eine Arzteschwemme sehe ich wirklich nirgendwo. Vielleicht will keiner in Kärnten Spitalsarzt sein?

So ist das nicht. Für einen Primariatsposten habe ich auch Bewerbungen aus 1800 Kilometer Entfernung. Aber man wird nicht so leicht die Wunschbesetzung bekommen, muss Kompromisse eingehen, das ist wahr.

Wie beurteilen Sie eigentlich die Qualität der Medizin in Kärnten?

Ganz ehrlich? Wir sind auf sehr hohem Niveau, aber halt auch nicht überall 1a mit drei Sternderln. Und dort, wo’s hapert… .. .will ich eingreifen. Dafür gibt es unter anderem ja auch Zukunftskonzepte wie etwa den Masterplan. Desaster-Plan genannt. Da arbeiten bitte Ärzte daran – für die Bevölkerung. Außerdem kann den Plan keiner wirklich kennen, das ist ein laufender Prozess. Es gibt viele neue Herausforderungen – Altersmedizin etwa. Wir werden immer älter, was kann das Spital tun? Da ist in den nächsten zehn Jahren so viel anzupacken…

Ihr Vertrag läuft bis 2016. Ist das auch Ihr Zeithorizont? Ganz und gar nicht. Ich fühle mich hier so wohl, dass ich mir vorstellen könnte, in Kärnten alt zu werden.

Was sie gern gefragt würde? „Wellen Sie etwas Ober das Kabeg-Frauennetzwerk wissen? Das sind vierteljährliche Treffen von Frauen, um sich zu relevanten Themen auszutauschen. Das ist für Kärnten wichtig.“

Steckbrief

Name: Ines Manegold Geboren: 15.12.1966

Funktion: Direktorin der Kärntner Krankenanstalten und Betriebsgesellschaft Kabeg. Zur Kabeg gehören fünf Landesspitäler (Klagenfurt, Villach, ; Wolfsberg, Hermagor, l Laas) mit rund 7000 Mitarbeitern.

Familie: geschieden, keine Kinder

Hobbies: Reisen, Natur, Lesen und Theater

Lieblingslektüre: „Die Siegerlandkrimis“ von Ralf Strackbein rund um Detektiv Tristan.

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