Länder fürchten um Jungärzte

Hofer, M.: Länder fürchten um Jungärzte. Kurier, 6. 8. 2011, 23.

Gesundheitsversorgung

Minister will mitten im Sommer die Medizinerausbildung ändern. Das soll massive Mehrkosten mit sich bringen.

VON M. HOFER, F. NEUMÜLLER UND J.PACHNER

Gesundheitsversorgung kennt keine Ferien. Dieser Tage flatterte den Landesregierungen ein Papier aus dem Gesundheitsministerium zu. Es enthielt „Klarstellungen der Bundesregierung zum Entwurf der 15. Ärztegesetznovelle“ und kündigt eine Änderung der Medizinerausbildung an.

Im Rahmen ihrer Turnusausbildung müssen Jung-Ärzte verschiedene medizinische Abteilungen durchlaufen (Allgemeinmedizin, Chirurgie, HNO, etc.). Die Verweildauer in den Abteilungen ist je nach Ausbildungsweg unterschiedlich. Derzeit darf ein Turnusarzt während seiner Ausbildung in einer Station auch in anderen Abteilungen Dienst tun – wodurch die angehenden Ärzte längere Zeit praktische Erfahrung sammeln können. Dass sie dort das Stationspersonal verstärken, ist ein für Spitalserhalter positiver Nebeneffekt.

Und hier kommt das Papier von Gesundheitsminister Alois Stöger ins Spiel. Laut seinen „Klarstellungen“ ist es künftig nicht mehr möglich, einerf Turnusarzt gleichzeitig in mehreren Abteilungen einzusetzen.

Kritik Niederösterreichs Landesvize Wolfgang Sobotka ist empört: „Eine klare Verschlechterung der Ausbildung ist zu befürchten. Gerade der flexible Einsatz „der Turnusärzte ermöglicht ihnen, mehr zu praktizieren und zusätzliche Erfahrungen zu sammeln.“

Was Sobotka noch mehr fuchst, ist die Tatsache, dass die nun fehlende Manpower ja ersetzt werden müsse – also mehr Personal, höhere Kosten. „In Niederösterreich müssten wir 75 Ärzte zusätzlich einstellen. Dafür müssten wir 4,5 Millionen Euro mehr pro Jahr ausgeben“, rechnet Sobotka vor.

Auch die Vorgehensweise des Ministeriums ärgert ihn: „Mitten im Hochsommer eine Gesetzesnovelle auszuschicken und den Bundesländern nur eine Woche zur Begutachtung Zeit zu lassen, ist nicht vertrauensbildend.“ Die normale Begutachtungsfrist liege bei sechs Wochen. Um die Pläne vorerst zu unterbinden, haben die Länder mobil gemacht. Gemeinsam mit NÖ lösten OÖ, Tirol und Salzburg den „Konsultationsmechanismus“ aus, machten also ihr Recht auf Verhandlungen geltend. Diskutieren will man, wer die Mehrkosten zahlt.

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer sträubt sich ebenfalls gegen die geplante Novelle. „Eine Restriktion in dem Bereich ist falsch.“ Die Entscheidung für den Einsatz von Turnusärzten sollte – wie bisher – den Verantwortungsträgern vor Ort überlassen werden.

Kritisch betrachtet wird die Gesetzesänderung auch in der Salzburger Landesregierung. „Turnusärzte werden zwar einer Abteilung zugeteilt, aber im Fall von Krankenständen, Urlauben oder Sondersituationen auch in anderen Abteilungen eingesetzt“, betont SPÖ-Landesrätin Cornelia Schmidjell. „Damit lernen die Ärzte verschiedene Arbeitsfelder kennen. Auf Grund der Novelle wäre dies nicht mehr möglich.“ Die drohenden Folgen: Ein erhöhter Bedarf an Ärzten – und damit erhebliche Mehrkosten für das Land.

Im Gesundheitsministerium argumentiert man mit Patientensicherheit. „Es ist nicht klug, einen Turnusarzt, der keine entsprechende Ausbildung in einer Abteilung hat, dort Dienst tun zu lassen“, heißt es.

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