Die Abtreibung und der Hippokratische Eid

Rella, Christoph: Die Abtreibung und der Hippokratische Eid. Wiener Zeitung, 5. 8. 2011, 9.

Forderung nach mehr Abtreibungsklinken lässt Wellen hochgehen

Von Christoph Rella

Mediziner dürfen Eingriff verweigern.

Das stößt zum Teil auf Unverständnis.

Wien. Darf man einen Arzt zwingen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen? Nein, man darf nicht.

Zumindest wenn es nach den Delegierten im Europarat geht. Denn diese hatten erst im Vorjahr eine Resolution verabschiedet, wonach das Recht von Medizinern auf „persönliche Gewissensfreiheit“ in dieser Frage unangetastet bleibt und kein Druck oder Zwang ausgeübt werden darf. Dass das auch in Österreich so bleibt, darüber wacht unter anderem die Ärztekammer: „Es geht sicher nicht, dass Ärzte medizinische Handlungen setzen, die sie ablehnen“, betonte Ärztesprecher Martin Stickler auf Anfrage.

In dieselbe Kerbe schlug auch FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelsgruber. „Ich finde, dass man Ärzte nicht zwingen sollte.“ Statt ihnen und den Krankenhäusern mit Finanzmittelentzug und „schwarzen Listen“ zu drohen, sollten die bei Einführung der Fristenlösung versprochenen Begleitmaßnahmen gesetzt werden: „Wir brauchen eine verpflichtende Beratung, aktuelle Statistiken und mehr Aufklärung an den Schulen“, sagte sie.

Gegen mehr Aufklärung und Beratung hat auch der Wiener Gynäkologe Christian Fiala nichts. Dass hingegen ein Arzt einen Schwangerschaftsabbruch ablehnen kann, versteht er nicht. „Dann darf der Betreffende eben nicht Frauenarzt oder Chirurg werden“, sagte der Leiter einer Abtreibungsklinik. Ungewollte Schwangerschaften seien „Teil des Lebens“. Weswegen er auch den Vorschlag von Gesundheitsminister Alois Stöger, Abtreibungen künftig auch in öffentlichen Krankenhäusern in Tirol und Vorarlberg durchführen zu lassen, sehr begrüße. „Das Gesetz gegen die Abtreibung stammt aus der Nazizeit, das ist Gedankengut aus längst vergangenen Zeiten“, meinte Fiala.

„Ja“ zum Kind wichtiger

Als „absolut unterstützenswert“ bezeichnete am Donnerstag die Geschäftsführerin der SPÖ-Frauen, Andrea Mautz, den Stöger-Vorstoß. Es müsse im 21. Jahrhundert selbstverständlich sein, dass für Frauen die notwendigen Institutionen vorhanden sind, sagte auch Daniela Musiol von den Grünen.

Der Gesundheitsminister zäume in dieser Frage das Pferd von hinten auf, konterte hingegen ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf. Aufgabe der Politik sei es, ein Umfeld zu schaffen, wo Paare vermehrt „ja“ zum Kind sagen. Wichtig sei es daher, eine intensive Beratung der betroffenen Frauen zu sichern, betonte auch Staatssekretär Sebastian Kurz.

Sekundiert wird die ÖVP vom St. Pöltner Familienbischof Klaus Küng: Stögers Vorstoß sei ein „Signal in die falsche Richtung“.

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