Klinik-Chefs:Keine Abteilung schließen

Cik, Thomas: Klinik-Chefs: Keine Abteilung schließen. Kleine Zeitung, 16. 7. 2011, 18f.

Die Führungsspitze des Klinikums Klagenfurt über offene Baustellen, die Vorgabe vom sich selbst finanzierenden „LKH neu“, Budgetzwänge und die Schmerzgrenze beim Sparen.

Nach einem Jahr Betrieb: Läuft das LKH neu rund?

BERND STÖCKL: Als ärztlicher Leiter kann ich sagen, es läuft rund. Wir müssen in manchen Bereichen noch nachjustieren, das ist normal, aber ich bin zufrieden.

Wo ist man noch nicht auf dem Status, den man gerne hätte?

STÖCKL: Wir arbeiten noch an der Notfallaufnahme, damit die Patientenflüsse noch besser werden, weil einfach zu viele Leute dorthin geschickt werden. Es hat sich das Verhalten im niedergelassenen Bereich geändert, die Patienten werden sehr schnell in die Notfallaufnahme geschickt.

Man hört aber vielfach von Bedenken, ins Klinikum zu gehen.

STÖCKL: Das verstehe ich nicht. Mein Junior ist gerade im Elki operiert worden und ich bin äußerst zufrieden, wie Pfleger und Ärzte dort mit meinem Kind umgegangen sind.

Aber ist das Negativimage nicht auch zum Teil selbst verschuldet? In einer doppelseitigen Anzeige in der KTZ haben Sie kaum ein gutes Haar an ihrem Haus gelassen, Herr Peters.

ROLAND PETERS: Fakt ist, dass wir Erfahrungswerte unserer verschiedenen Nutzer sehen, woraus sich Optimierungspotenziale ergeben. Etwa beim kritisierten Patienten- und Besucherleitsystem. Deswegen arbeiten wir bis Ende des Jahres ein neues aus.

Trotzdem: In der Außenwirkung konnte man den Eindruck gewinnen, dass in diesem Haus alles schlecht sei und man jetzt die Trümmer aufräumen müsse, welche die vormalige Direktion hinterlassen habe – Beispiel Betriebsorganisation.

BERNHARD RAUTER: Die Betriebsorganisation musste nachjustiert und geändert werden. Man hatte sie ja nur am Reißbrett zeichnen können und sie ist nicht so, wie wir sie haben wollen

Ist sie jetzt fertig?

PETERS: Ja. Für mich waren Gewichtungen im wirtschaftlichtechnisch-administrativen Bereich zu stark gebaut und haben zu viel Ressourcen gebunden, die uns in der Kernkompetenz, bei Medizin und Pflege, abgingen.

Herr Rauter, Herr Stöckl, haben Sie mehr Ressourcen bekommen?

STÖCKL: Wir haben wieder eine viel bessere Zusammenarbeit zwischen Medizin, Pflege und Administration bekommen, weil wir vieles wieder entwirrt haben, das zu komplex geführt wurde.

RAUTER: Meine Mitarbeiter waren sehr, sehr viel mit Bürokratie beschäftigt und wir haben versucht, diesen Bereich herauszuholen und ihnen mehr Zeit zu geben, am Patienten zu arbeiten.

Ist das quantifizierbar?

RAUTER: Ich habe keine Minutenerfassung gemacht. Ich höre bei meinen Mitarbeitern von einer spürbaren Entlastung.

Was soll der Patient noch an Neuem bemerken, abgesehen von einem Leitsystem?

PETERS: Wir werden die sogenannten Kopffächer in der Ex-Chirurgie Ost zusammenführen.

Ihre Vorgänger haben diesen Plan als unrentabel verworfen und planten stattdessen für 2018 den Bau eines fünften Fingers.

STÖCKL: Wir brauchen dieses Kopfzentrum und wir haben Varianten gefunden, die es finanziell realisierbar machen.

Apropos Finanzen: Kann sich das „LKH neu“ selbst durch Einsparungen finanzieren?

STÖCKL: Diese alte Vorgabe, das geht nicht.

Wie weit liegt man weg?

STÖCKL: Das kann ich nicht beziffern.

Der Rechnungshof hielt die Vorgabe aber für machbar.

PETERS: Mein Wissensstand ist, dass es Kritik vom Rechnungshof gab, dass bestimmte Bewertungen nicht ganz schlüssig vorgenommen worden waren (siehe auch linke Seite, außen).

Und die aktuellen Budgetziele?

STÖCKL: Diese werden wir schaffen.

Wie viel ist noch einzusparen?

STÖCKL: Nach einem halben Jahr sind wir noch im Bereich von Spekulation und Hochrechnung. Wir liegen gut im Rennen. Und wir können den Betrieb in voller Güte und Umfang aufrechterhalten.

Jetzt gibt es aber Szenarien der Kabeg, Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie sowie plastische Chirurgie, die es nur im Klinikum gibt, als eigenständige Abteilungen aufzulassen. Ihre Schmerzgrenze?

STÖCKL: Das bezog sich auf eine Leistungsplanung, die Teil eines Arbeitspapiers ist, die wir in gleichen Auszügen kennen, wie Sie sie geschildert haben. Wir als Direktorium stellen uns hinter unsere Abteilungen. Und wenn Sie mich nach meiner Einschätzung als ärztlicher Leiter fragen: Ich wünsche mir, dass keine dieser Abteilungen geschlossen wird.

Herr Rauter, was ist mit der Pflegepetition von 1500 Mitarbeitern geschehen, die auf Eigenständigkeit der Pflegepochen?

RAUTER: Ich habe eine Antwort darauf geschrieben. Ich habe genug Möglichkeiten, gestalterisch einzuwirken.

Herr Peters, wie ist der Mann der Pressesprecherin von Landeshauptmann Dörfler zum Chef des Facility Managements geworden, was für viel Wirbel sorgte?

PETERS: Ich habe ihn aus einer Reihe von Bewerbern ausgesucht.

Aber der Posten war ja gar nicht ausgeschrieben, woher wussten diese Leute davon?

PETERS: Tritt man eine neue Funktion an, melden sich viele, die Interesse an einem Job haben.

INTERVIEW: THOMAS CIK, WOLFGANG RAUSCH

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