„Es fließt kein Geld an Parteien“

Gössinger, Antonia: „Es fließt kein Geld an Parteien“. Kleine Zeitung, 5. 6. 2011, 26f.

Gesundheits-Großunternehmer Stephan Wagner über Probleme in seinen Einrichtungen, seine engen Beziehungen zu Kärnten und zu einigen FPK-Politikern.

Herr Doktor Doktor Stephan Wagner, welche Doktoren-Titel haben Sie?

STEPHAN WAGNER: Ich habe vier akademische Studien abgeschlossen. Die zwei Doktorate sind Jus und Politikwissenschaft-Publizstik. Und ich habe zwei postgraduate-Studien gemacht: Wirtschaftswissenschaften und Krankenhaus- und Gesundheitsmanagement.

Die Doktorarbeiten selbst geschrieben?

WAGNER: Selbst geschrieben, ja. Ich hatte einen sehr strengen Doktor-Vater. Das macht einen in Zeiten wie diesen sicher.

Wie sind Sie als Salzburger zu Ihrem starken Engagement in Kärnten gekommen?

WAGNER: Das erste Engagement war das Thermalbad Weißenbach. Das war im Jahr 2000. Die örtliche Bank hat einen Investor gesucht. Dann habe ich dort meine Gattin kennengelernt, die im LKH Wolfsberg gearbeitet hat. Das hat natürlich meine Kärnten-Bindung verstärkt.

Jetzt sind Sie in die Schlagzeilen geraten, weil die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) einen teilweisen Zuweisungsstopp von Patienten verfügt hat. Werden in Ihren Häusern die vereinbarten Leistungen nicht erbracht?

WAGNER: Man muss die Kirche im Dorf lassen. Anlass waren die Beschwerden zweier Patientinnen, die ihre Therapien nicht erhalten haben sollen; zwei Patientinnen von 20.000 im Jahr. In einem Fall war die Kritik nicht berechtigt. Im anderen haben wir unverzüglich reagiert. Ab sofort gibt es in unseren Häusern einen Bereitschaftsdienst, dass bei unvorhergesehenen Krankenständen und Ausfällen der Therapeuten der Patient nichts bemerkt. Der Vorwurf, dass wir Therapien verrechnen, die wir nicht leisten, geht ins Leere. Wir haben einen Rahmen mit den Kostenträgern und bekommen von ihnen einen Tagsatz. Im Schnitt verabreichen wir mehr Therapien als wir in Rechnung stellen dürfen. Wir sehen es rein aus medizinisch-ethischen Gründen als sinnvoll an, dass wir uns großzügig zeigen.

Es häufen sich aber die Hinweise, dass Sie in Ihren Häusern generell zu wenig und zu wenig qualifiziertes Personal beschäftigen. Fahren Sie bewusst am Limit?

WAGNER: Das ist nicht richtig. Es stimmt nicht, dass es – wie von Ihnen behauptet – im Agathenhof nur eine Ärztin gäbe und auch im neuen Pflegeheim Frantschach halten wir den Personalschlüssel selbstverständlich ein. Wir haben aufgrund Ihres Berichtes Kontrollen in unseren Kärntner Häusern erhalten und diese haben keine Mängel ergeben.

Die ausgefertigten Berichte gibt es überhaupt noch nicht. Das Land konnte im Agathenhof den Personalschlüssel auch nicht prüfen, das obliegt der PVA. Von Gewerkschaftsseite weiß man um eine sehr hohe Personalfluktuation in Ihren Häusern. Laut niederösterreichischer Arbeiterkammer sollen sie vielfach arbeitsrechtliche Grundsätze nicht einhalten.

WAGNER: Auch dieser Vorwurf ist nicht haltbar. Wir hatten in den letzten fünf Jahren einen einzigen arbeitsrechtlichen Streit, und das bei circa 1000 Mitarbeitern. Dieser Rechtsstreit hat mit einem Vergleich geendet. Daran sehen Sie, dass wir auf die Wünsche der Mitarbeiter sehr wohl eingehen.

Sie haben sehr gute persönliche Beziehungen zu FPK-Politikern, die auf Landesseite ihre Vertragspartner sind.

WAGNER: Ich sehe eine Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft, die allerdings nichts mit Parteizugehörigkeit zu tun hat.

Wenn man Jagdausflüge nach Schweden macht und gemeinsam den Life Ball besucht, wie Sie mit Kurt und Uwe Scheuch und Landesrat Christian Ragger, geht dies weit über das übliche Maß hinaus. Da wundern Sie sich über den Eindruck der Freunderlwirtschaft?

WAGNER: Es ist richtig, dass man sich auf Bällen und sonstigen gesellschaftlichen Anlässen zufällig oder nicht zufällig treffen kann. Ich habe allerdings niemanden eingeladen. Und ich gehe dem Hobby der Jagd nach. Bei der Schweden-Reise waren nachweislich eingetragene SPÖ-Mitglieder anwesend. Ich glaube nicht, dass man etwas Negatives daraus interpretieren kann.

Sie haben mit Ragger gemeinsam im Lavanttal eine Jagd?

WAGNER: Weil die Jagd zu meinem Privatleben zählt, bitte ich um Verständnis, dass ich nicht darüber reden möchte.

Hat Ragger oder seine Kanzlei Sie anwaltlich einmal vertreten?

WAGNER: Nein.

Ragger hat zur Ihrer Verteidigung in einem Regionalblatt ein großes Inserat geschaltet. Als Sozialreferent ist er die oberste Kontrollinstanz für Ihre Pflegeheime. Haben Sie ihn dazu aufgefordert?

WAGNER: Nein. Er hat nicht für mich Partei ergriffen, sondern gemahnt, es soll keine Vorverurteilungen geben Da wurde ihm Recht gegeben. Vermutlich hat er die positiven Qualitätsberichte über die Häuser bereits gekannt.

Bei Ihren Engagements in Ober-kärnten sind sie nicht daran vorbei gekommen, die Gründe von den Scheuchs zu kaufen?

WAGNER: Das Pflegeheim Mühldorf wurde durch die damalige SPÖ-Sozialreferentin Gaby Schaunig genehmigt und der Standort von der Fachabteilung empfohlen. Für das gerontopsychiatrische Zentrum ist die Liegenschaft in Lurnfeld objektiv der beste Standort. Wir haben sehr sorgsam gesucht. Im Übrigen musste ich Kurt Scheuch als Grundeigentümer erst überzeugen, dass er diese Liegenschaft zur Verfügung stellt.

Haben Sie ihn mit einem besonders guten Preis überzeugt? In Oberkärnten hört man, der Preis sei weit überhöht gewesen.

WAGNER: Nein. Es wurde ein marktüblicher Preis bezahlt.

Im Skandal um die FPK-Werbeagentur „Connect“ ist eine Rechnung über 10.000 Euro an Sie aufgetaucht. Die meisten anderen Firmen haben bezahlt, Sie auch?

WAGNER: Ich habe sofort einen Wirtschaftsprüfer beauftragt, die Buchhaltung zu durchforsten. Es gibt ein Testat von ihm, dass diese Rechnung in unserer Buchhaltung nicht aufzufinden ist und selbstverständlich an „Connect“ oder eine Partei kein Geld geflossen ist. Weder ich privat noch eines meiner Unternehmen hat bislang einer Partei eine Spende zukommen lassen.

Das Land hat Ihnen in Bad St. Leonhard eine Umfahrung als Zufahrt und einen Musikpavillon gebaut, baut Ihnen einen Gehweg nach Weißenbach. Sind die anderen Bundesländer, in denen Sie tätig sind, auch so großzügig?

WAGNER: Wir haben in Kärnten über 100 Millionen investiert und circa 400 Arbeitsplätze geschaffen. Die Förderung bewegt sich in einem sehr niedrigen einstelligen Prozentsatz. Es sind oft Gelder der EU. Sie sollen für österreichische Unternehmen verwendet werden, anstatt vielleicht nach Griechenland zu fließen.

Jetzt sind Sie als Investor für die Therme Klopein im Gespräch.

WAGNER: Es ist dies eine Projektidee des Landes. Zuerst muss sie konkretisiert werden, um entscheiden zu können, ob das in unser Geschäftsfeld fallen könnte.

Dieser Tage haben Sie den Spatenstichfür ein Generationen-Zentrum in Klagenfurt vorgenommen. Wohin soll Ihre Expansion führen, haben Sie nie genug?

WAGNER: Wir haben keine quantitativen Pläne, sondern rein qualitative. Wir zentrieren unsere Bemühungen darauf, dass unsere Häuser für unsere Patienten die beste Wahl sind. Aber sollten Sie es kritisch betrachten, Investitionen in Kärnten zu tätigen, wird man doppelt darüber nachdenken müssen.

Antonia Gössinger

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