China: Krankenhäuser verweigern Behandlung von Aids-Kranken

GENF: China: Krankenhäuser verweigern Behandlung von Aids-Kranken. Die Presse, 19. 5. 2011, 8.

Laut Internationaler Arbeitsorganisation fürchten die Spitäler, dass reiche Patienten aus Angst vor HIV-Infektion fernbleiben.

[PEKING/GENF/AG] Chinesische Krankenhäuser verweigern Aids-Kranken nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf regelmäßig die Behandlung. Die UN-Sonderorganisation erklärte am Mittwoch, Interviews mit mehr als 100 Erkrankten sowie 23 Klinikmanagern und Krankenpflegern in China belegten eine verbreitete Diskriminierung der Betroffenen.

Demnach schilderte etwa ein 37-Jähriger aus der nördlichen Provinz Shaanxi, wie schwierig es gewesen sei, als Aids-Kranker wegen eines Knotens im Magen behandelt zu werden. „Jede Klinik hat mir geraten, mich sofort für einen Eingriff einweisen zu lassen – aber als sie hörten, dass ich HIV-positiv bin, wollte mich plötzlich keine mehr aufnehmen.“ Sogar eine Spezialklinik habe ihm eine Behandlung versagt. Dort hätten ihm die Manager gesagt, es könne dem Ruf des Krankenhauses schaden, wenn andere Patienten erfahren würden, dass im OP-Saal ein HIV-Infizierter behandelt worden sei.

Dem ILO-Bericht zufolge arbeiten die Kliniken in China in erster Linie profitorientiert. Sie sorgen sich demnach, dass wohlhabende Patienten eine andere Klinik aufsuchen, sobald sie erfahren, dass in ihrer ursprünglich gewählten Einrichtung auch Aids-Kranke behandelt werden. Die Regierung in Peking habe dieses Problem zwar bereits erkannt, die Regularien zur Behandlung von HIV-Infizierten seien aber unzureichend, beklagte die UN-Organisation.

Ende eines Tabus

Aids war in China lange Zeit ebenso wie Homosexualität ein Tabuthema. Die Regierung unterband früher Debatten über die Ausbreitung des HI-Virus im Land. Erst in den letzten paar Jahren vollzog sich gegenüber dem Thema eine Öffnung. Nach Behördenangaben leben etwa 740.000 HlV-Infizierte in der Volksrepublik. Experten schätzen die Zahl der Betroffenen aber weit höher ein.

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