Kabeg-Experte sieht „Handlungsbedarf“

Gössinger, Antonia: Kabeg-Experte sieht „Handlungsbedarf“. Kleine Zeitung, 5. 6. 2011, 20.

Antonia Gössinger

Brachialer Kurs von Scheuch und Manegold irritiert sogar Jagdfreund

Scharfe Kritik der SPÖ an FPK-Brüderpaar.

Interviews waren für ihn bisher tabu. Stephan Wagner, Chef des gleichnamigen Gesundheitsimperiums, führte mit Journalisten Hintergrundgespräche, ließ sich aber nicht zitieren; ein unergiebiger Zustand für Medienleute. Die breite öffentliche Erörterung von angeblichen Unzulänglichkeiten in manchen seiner Häuser, hat bei Wagner zu einem Umdenken geführt. Wohl zu fatal war das Echo auf einen Beitrag in der ORF-Sendung „Report“, in dem von „gesunden Geschäften“, regelmäßigen Ausfällen von Therapien, mäßigem Behandlungserfolg und ausgepresstem Personal die Rede war. Statt des Chefs der Unternehmensgruppe stellte sich nur sein Berater für Öffentlichkeitsarbeit, Josef Kalina, den Journalisten und übte sich in Schönrederei. Kailna war einst Sprecher von Alfred Gusenbauer und SPÖ-Geschäftsführer. Am Beispiel des Krisenmanagements für Wagner, erklärt sich, warum Gusenbauer bald Ex-Kanzler war.

Ein teilweiser Zuweisungsstopp von Patienten durch die Pensionsversicherungsanstalt, verunsicherte Kurgäste und Heimbewohner, haben bei Wagner zum Umdenken geführt. So hat er der Kleinen Zeitung ein erstes großes Interview gegeben (auf den Seiten 26/27), in dem er eine Qualitätsoffensive ankündigt. Nur über die Umsätze seiner Unternehmen redet Wagner „traditionell nicht“.

Wagner sitzt auch in der Expertenkommission der Kabeg, der Holding der Landesspitäler. Dass er von seinem Jagdfreund FPK-Klubchef Kurt Scheuch als „Erfüllungsgehilfe“ in das Gremium geholt wurde, weist Wagner zurück. Er zähle „zu den kritischen Hinterfragern in dieser Runde und vertrete mit Sicherheit keine Parteiinteressen“, sagt der Salzburger. Er bescheinigt Kabeg-Chefin Ines Manegold das Bemühen, „den Spagat zwischen dem gesetzlich verankerten Versorgungsauftrag und der Optimierung der Wirtschaftlichkeit zugunsten der Steuerzahler zu bewerkstelligen“. Allerdings hält er am derzeitigen Kurs „Verbesserungen für möglich“. Diese Ratschläge sollten Manegold aber persönlich gegeben werden. Einen dringenden Handlungsbedarf benennt Wagner: „Im Bereich der internen und externen Kommunikation wird man sich Gedanken machen müssen, wie diese verbessert wird.“ Dass der brachiale Kurs, den Scheuch der Kabeg-Chefin vorgibt, eine fatale Entwicklung nimmt, wird immer deutlicher. Auch in den Reihen des Koalitionspartners ÖVP machen sich massive Zweifel breit.

Die brachiale Art, mit der Kurt Scheuch neuerdings wild um sich schlägt und die Angriffe von ihm und seinem Bruder, FPK-Chef Uwe Scheuch, auf die Justiz hatten gestern eine geharnischte Reaktion von SPÖ-Klubobmann Reinhart Rohr zur Folge. Rohr sieht sich durch die „vermehrt Platz greifende Einschüchterungspolitik der Brüder Scheuch an die Methoden der Nazis erinnert“. Indem die Scheuchs den Kärntnern, insbesondere den Medien, das Recht auf freie Meinungsäußerung und der Justiz ihre Unabhängigkeit absprechen, würden sie an den Grundfesten der Demokratie rütteln, so Rohr. Er bezieht sich auf die vorbauende Justiz-Schelte der Scheuchs vor dem „Part of the game“-Prozess. Die Behauptung von Uwe Scheuch, er habe in Kärnten mit keinem fairen Prozess zu rechnen, hatte am Freitag schon der Präsident der Rechtsanwaltskammer, Gernot Murko, energisch zurückgewiesen. Rohr sieht Landeshauptmann Gerhard Dörfler gefordert, die Scheuchs in die Schranken zu weisen.

Dass er im Umgang mit Bürgern nicht zimperlich ist, stellte Kurt Scheuch im April unter Beweis. Ein in Wien lebender Kärntner hatte in einer E-Mail an den Landtag den FPK-Klubchef eines ähnlichen Auftretens geziehen, wie es jetzt Rohr tut. Als Reaktion erhielt er einen Anwaltsbrief mit Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, dass er diesen Vorwurf nicht mehr erhebt, sowie eine Rechnung über 360 Euro. Der Betroffene unterschrieb, zahlte – und sah sich in seiner Meinung bestätigt.

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