Kürzungen bei Jugend am Werk: ein Beispiel was das steirische 25%-Kürzungspaket bedeutet

jugend am werk. chancen – leben

Graz 6. Juni 2011

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugend am Werk,

am Donnerstag, 26.5.2011, wurden die LEVO zum StBHG und die DVO zum StJWFG beschlossen und am Dienstag, 31.5.2011, veröffentlicht. Nun wissen wir konkret, mit welchen dramatischen Kürzungen wir bereits in den nächsten Wochen und Monaten konfrontiert sind.

Für den Bereich BHG gilt:

Von der Sozialabteilung des Landes Steiermark wurden die Kosten für die Erbringung der BHG-Dienstleistungen an sich richtig kalkuliert, weil aber das Einsparungsziel damit nicht erreicht wurde, wurde eine „Eigenerwirtschaftung“ von 6,5 bis 18 Prozent angenommen – was die Tagsätze um genau diese Höhen reduziert. Dies bedeutet etwa im Bereich der Tagesstruktur einen Eigenerwirtschaftungsanteil von 11,5%, der sich selbst unter den besten Bedingungen nicht erreichen lässt. Im mobilen Bereich wiederum sind wir bei den Stundensätzen mit Reduktionen von ca. 20% betroffen (Familienentlastungsdienst).

Daher decken die LEVO-Preise die Kosten nicht ab. Die Zusage kostendeckender Preise wurde damit nicht eingehalten. Die Landesregierung hat nicht Wort gehalten: Die in den Verhandlungen von Gewerkschaft und Dachverband mit dem Land erzielten geringfügigen Verbesserungen bei den Personalschlüsseln mildern zwar die Auswirkungen für die betroffenen Menschen mit Behinderungen ab, erweisen sich aber für die MitarbeiterInnen der Trägerunternehmen und -organisationen nach wie vor schwierig – die Führung der Unternehmen und Vereine in der Behindertenarbeit wird so gut wie unmöglich.

Im Bereich JWF sind wir ebenfalls mit massiven Reduktionen des Stundensatzes konfrontiert (z.B. minus 25% bei der Sozialpädagogischen Familienbetreuung) und auch mit der Reduktion von Tagsätzen. Ebenso wird im JWF-Bereich der genannte Eigenerwirtschaftungsanteil abgezogen. Weiters werden diese neuen Verrechnungssätze auf Basis 2010 ohne Valorisierungen für 2011 und 2012 berechnet – was 2012 allein aus diesem Bereich zu einer Finanzierungslücke von ca. 5% bis 6% führen wird.

Was heißt das nun für Jugend am Werk?

Oberste Priorität hat die Sicherung von Arbeitsplätzen. Dennoch lässt es sich nicht verhindern, dass es zu Kündigungen kommen wird (wobei der Bereich der Behindertenarbeit am stärksten betroffen sein wird). Über diese Kündigungen entscheidet die Geschäftsführung. Konkrete Informationen erhalten Sie so rasch wie möglich.

Da LEVO und DVO bereits ab 1.10.2011 umgesetzt werden sollen, sind wir unmittelbar von Auaswirkungen betroffen. Wir müssen umgehend ein drastisches Kosteneinsparungsprogramm implementieren, um ein annähernd ausgeglichenes Budget zu erreichen. Die Einsparungen treffen unser gesamtes Unternehmen, dies wurde auf mögliche Einsparungspotentiale durchleuchtet.

Einige der Maßnahmen, die umgesetzt werden:

  1. Kostenbeiträge für konsumiertes Essen (ab Juli 2011)
  2. Adaptierungen im Sanierungsprogramm (z.B. keine Neuanmietung für „mobil.betreut“ in Mürzzuschlag, etc.)
  3. Schließung des Therapiezentrums in Graz aufgrund zu geringer Kostendeckung der Jugendwohlfahrts- und Gebietskrankenkassenfinanzierung per Ende Juni 2011
  4. Personaleinsparungen in der „Zentrale“
  5. Die 2010 erstmals ausgezahlte Kleiderpauschale in Form von Gutscheinen zu Jahresende wird wieder gestrichen
  6. Ab 1.1.2012:
  • Kürzung der bisher 5 auf 2 Tage Bildungsfreistellung
  • Straffung der Weiterbildung – kein individuelles Weiterbildungsbudget mehr von EUR 183,-/Jahr
  • Kürzung der Supervision
  • Streichung des Zusatzurlaubes für Menschen mit Behinderung

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es kommen harte Zeiten auf die Sozialwirtschaft zu, viele schmerzliche Änderungen sind erforderlich; wir ersuchen Sie trotzdem um Ihr Engagement wie bisher und Ihre Qualität in der Arbeit.

Wir werden die Zeit der Unsicherheit so kurz wie möglich halten und versichern Ihnen, dass wir als Geschäftsführer alles daran setzen werden, die Auswirkungen der Budgetkürzungen im Land Steiermark bei Jugend am Werk so gering als möglich zu halten und werden auch den Weg der Erneuerung und des Sanierungsprogramms fortsetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Walerich Berger, Walter Ferk – Geschäftsführer

Zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem ISO 9001:2008

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Eine Antwort zu “Kürzungen bei Jugend am Werk: ein Beispiel was das steirische 25%-Kürzungspaket bedeutet

  1. Ist ja extrem! Wann streiken die Leute bei Jugend am Werk endlich! Das darf doch nicht wahr sein! In Kärnten ist Jugend am Werk teilweise personell sehr eng mit der SPÖ verbunden. Ist das vielleicht in der Steiermark zufällig auch so?

    Besonders süß ist ja der Hinweis der Geschäftsführung, dass zwar „viele schmerzliche Änderungen“ angeblich „erforderlich“ seien, man aber dennoch „ersucht“, das „Engagement wie bisher“ und „Ihre Qualität in der Arbeit“ fortzusetzen.

    Das ist genau das, was sie wollen: einem alles wegnehmen und keiner soll aufmucken. Wenn geht: noch mehr hackeln bei noch weniger Kohle.

    Das wird auch angedroht, wie üblich in verlogener Weise: die Geschäftsführung will den „Weg der Erneuerung und des Sanierungsprogramms fortsetzen“, heißt es.

    Ein Streik ist notwendig und möglich.

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