Kärntner Freundschaftsnetzwerk in Blau-Rot

Der private Reha- und Pflegeheimbetreiber Wagner baut auf politische Kontakte

Elisabeth Steiner, Der Standard, Printausgabe, 20.5.2011.

Klagenfurt – FPK-Klubchef Kurt Scheuch höchstselbst rückte am Donnerstag in Kärnten zur Verteidigung aus. Die im jüngsten ORF-Report massiv vorgebrachten Vorwürfe gegen den privaten Salzburger Kur- und Reha-Betreiber Stephan Wagner bezeichnete er als „Vernaderung“ . Scheuch und Wagner kennen einander auch in der Freizeit gut: so etwa von einer Elchjagd in Schweden mit Scheuch-Bruder und FPK-Chef Uwe sowie FPK-Sozialreferent Christian Ragger.

Der Wagner-Gruppe wird nach Patientenbeschwerden vorgeworfen, verordnete Therapien entweder gar nicht oder mangelhaft umzusetzen, weshalb jetzt die zuweisende Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in einigen Häusern der Wagner-Gruppe in Niederösterreich und Kärnten einen Zuweisungsstopp verhängte. Grund für die Misere soll eine massive Personalknappheit sein, verbunden mit schlechter Bezahlung weit unter dem Kollektivvertrag. Wagner weist alle Vorwürfe zurück.

In Kärnten betreibt der Salzburger dank seines engen politischen Netzwerks nicht nur Kur- und Reha-Betriebe (etwa den zuletzt beanstandeten Agathenhof oder das Gesundheitsressort Bad Sankt Leonhard), sondern auch Pflegeheime. Für die Bewilligung ist Sozialreferent Christian Ragger zuständig, der, wie im Fall Afritz, Wagner gemeinnützigen Pflegeheimbetreibern vorzieht. Nach Kärnten geholt hatte die Wagner-Gruppe die Exsozialreferentin und spätere SPÖ-Chefin Gaby Schaunig. Heute ist Schaunig Anwältin der Wagner-Gruppe und trifft dort auf Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina, der mit seiner privaten Agentur als Wagner-Sprecher firmiert.

Aber auch mit den Kärntner Blauen gibt es keine Berührungsängste. So kaufte Wagner von den Scheuch-Brüdern Grundstücke in Mühldorf und Möllbrücke für die Errichtung seiner Pflegeheime. Kurt Scheuch hievte Wagner als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kärntner Landesspitäler (Kabeg) in den Kabeg-Expertenrat. Für sein Reha-Zentrum in Bad Sankt Leonhard konnte Wagner auch Steuergeld lukrieren – in Form einer Beteiligung der Kärntner Tourismusholding.

Von der FPK-Agentur „Connect“ flatterte Stephan Wagner schließlich eine Rechnung über 10.000 Euro für Layoutberatung ins Haus. Wagner beteuerte, weder an die FPK noch an die Connect gezahlt zu haben. In dem Schreiben ist allerdings von einem Konto der Kärntner Freiheitlichen bei der Hypo-Alpe-Adria-Bank die Rede.

(Elisabeth Steiner, DER STANDARD; Printausgabe, 20.5.2011)
Online

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s