Steiermark: 390 Belegärzte zwei Wochen lang im Streik

ORF Steiermark, 3.6.2011.

390 Belegärzte streiken ab Freitag zwei Wochen lang. Sie kritisieren, dass sie bei der jährlichen Erstellung der Leistungskataloge noch immer kein Mitspracherecht haben.

Ärzte, Sanatorien, Versicherungen in Konflikt

Es ist ein jahrelanger Konflikt zwischen Ärztekammer, Sanatorien und Versicherungen: Die Belegärzte sind bei der jährlichen Erstellung der Leistungskataloge – also was Patienten in Anspruch nehmen können – nicht eingebunden, und es gibt auch keine Rücksprache mit der Ärzteschaft, so die Ärztekammer.

Behandlung in Belegkrankenhäusern

Belegärzte sind frei praktizierende Fachärzte, die ihre Patienten nicht nur in der eigenen Praxis ambulant, sondern – auf Überweisung auch die Patienten anderer Ärzte – in Belegabteilungen oder Belegkrankenhäusern stationär behandeln.

Die 390 Belegärzte in der Steiermark behandeln und operieren in sechs Sanatorien.

Ärztekammer: Nachteil für Patienten

In der Steiermark gibt es sechs Sanatorien, die sich alle in Graz befinden – dort operieren bzw. behandeln die Belegärzte, sie sind dort aber nicht angestellt. Die Ärztekammer kritisiert, dass gerade die Ärzte wohl am besten wissen würden, was aus medizinischer Sicht gut und richtig ist.

Über die Köpfe der Ärzte hinweg werde aber entschieden und das zum Nachteil der Patienten, sagt Gerhard Leitinger von der Ärztekammer: „Das Problem ist beispielsweise, dass Magenspiegelungen seit wenigen Jahren nicht mehr im Sanatorium durchgeführt werden können, außer der Patient bezahlt das privat und weiters, dass die Aufenthaltsdauer einzig und allein die Häuser und die Versicherungen besprechen, dass wir keine Mitsprache haben, ob ein Patient länger bleiben soll.“

Ärztekammer fordert Behandlungsvertrag

Die Ärztekammer fordert daher einen Behandlungsvertrag, sprich sie wollen mit Versicherungen und Sanatorien an einem Tisch sitzen und entscheiden; in Wien beispielsweise funktioniere das seit Jahren, so Leitinger.

Höheres Honorar oder Selbstwertgefühl?

Die privaten Krankenversicherungen argumentieren, sie würden ohnedies für die besten medizinischen Rahmenbedingungen für die Patienten sorgen. Die zuständige Direktorin der privaten Krankenversicherer wirft den Belegärzten vor, eigentlich nur an einem höheren Behandlungshonorar interessiert zu sein.

Leitinger dazu: „In erster Linie geht es uns um unseren Selbstwert, dass wir auf Augenhöhe als gleichberechtigte Partner unsere Interessen und natürlich die unserer Patienten zu verhandeln. In zweiterer Linie würden wir natürlich auch gerne unser Honorar selbst verhandeln wollen.“

Die Belegsärzte streiken bis zum 17. Juni.

Nächste Protestaktion im September geplant

Die Belegärzte streiken bis zum 17. Juni. 700 Patienten dürften laut Leitinger davon betroffen sein – sie werden in diesem Zeitraum weder untersucht noch operiert, ausgenommen sind Geburten und Notfälle.

Sollte der Protest ungehört bleiben, plant die Ärztekammer eine nächste Protestaktion im September.

Quelle.

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