Angriff auf Pensionen: Hundstorfer & Felderer, das Duo der Unvernunft

Seit Jahren trommelt man: das Pensionssystem sei nicht finanzierbar. Das ist falsch. Die Produktivität steigt kontinuierlich und hat sich seit den 1970er Jahren etwa verdoppelt. Was soll da nicht finanzierbar sein? Warum aber wollen einer, den man Sozialminister nennt und ein so genannter Pensionsexperte partout eine Reform auf dem Rücken der Arbeitenden?

von Andreas Exner

Felderer und Hundstorfer zeigen im Interview mit dem Standard, dass die Politik jede Vernunft verloren hat. Wider besseres Wissen reden die beiden das Pensionssystem krank. Dabei hat etwa Attac in „Zukunft der Pensionen“ schon vor vielen Jahren gezeigt, dass Pensionen finanzierbar sind und Leistungen verbessert werden müssen. Dennoch: Bernhard Felderer will kranke Menschen mit allen Mitteln am Arbeitsmarkt halten und gerade ihnen die Kosten einer verfehlten Politik aufbürden. Der mögliche Reichtum unserer Gesellschaft, der vor allem in freier Zeit besteht, nimmt beständig zu. Felderer aber fordert wider alle Vernunft, dass sogar jene, die das kapitalistische Arbeitsregime krank gemacht hat, noch weiter darunter leiden sollen:

Wer seine alte Tätigkeit nicht mehr schafft, soll nicht in der Frühpension landen, sondern auf jeden Fall am Arbeitsmarkt bleiben und in eine adäquate Beschäftigung weitervermittelt werden

Das ist zweifellos der Gipfel der Unvernunft. Können wir das, was wir zum Leben brauchen, in kürzerer Zeit herstellen, so wird ein vernünftiger Mensch sich über die gewonnene Freizeit freuen. Nicht so Felderer und Hundstorfer, der sekundiert:

Es wird mühsam und kompliziert, die Menschen länger im Erwerbsleben zu halten. Aber die Masse hat kapiert, dass gewisse Spielregeln eingehalten werden müssen.

Sind Ökonomen und Minister so unvernünftig, wenn es um sie selber geht? Kann ein fiktiver Bernhard Felderer sein Eigenheim in der Hälfte der geplanten Zeit fertigstellen, so müsste er dann flugs ein Neues bauen. Er kann zwei Häuser zwar nicht bewohnen, muss aber unbedingt „beschäftigt“ werden. Keinesfalls darf er sich darüber freuen, das Haus doppelt so rasch gebaut zu haben. Keinesfalls darf er nun mehr Zeit für seine Hobbies, die Kinder oder einen langen Urlaub genießen.

Es ist nicht anzunehmen, dass der reale Felderer privat so denkt. (Und wenn doch, so wäre er hochgradig neurotisch und zudem Burn Out-gefährdet.) Aber genau diese Unvernunft will er anderen, jenen, die unter dem kapitalistischen Arbeitsregime leiden und daran krank werden, zumuten. Obwohl just dieses Arbeitsregime immer weniger Menschen braucht, weil es die Produktivität ständig steigert und immer mehr Leute in die Dauerarbeitslosigkeit entlässt. De facto läuft der Angriff von Felderer und Hundstorfer deshalb nicht auf eine autoritäre Beschäftigungsanstalt für die Opfer des Arbeitsregimes hinaus. Das Ergebnis ist eine zunehmende Verarmung durch Abschiebung von Menschen in die Altersarbeitslosigkeit bei gleichzeitiger Kürzung sozialer Unterstützung.

Leider ist sogar Unvernunft noch zu toppen. Als wäre der kapitalistische Arbeitswahnsinn nicht genug, tritt Felderer auch noch dafür ein, Pensionen an den krisengeschüttelten Finanzmärkten zu versenken. Dies nennt der so genannte Experte in einer skurrilen Wendung „Risikostreuung“:

Ich halte Risikostreuung nach wie vor für ideal. Das öffentliche System ist zwar sehr sicher, doch die Pensionen werden wegen der Demografie real kaum noch steigen. Aktienanlage bringt eine deutlich höhere Rendite. Natürlich es gibt ein Risiko. Aber die Kurse sind in den USA schon wieder auf dem Niveau vor der Krise, bei uns liegen sie bei 85 Prozent des Vorkrisenniveaus.

Diese Unvernunft gehört gestoppt. Und zwar rasch.

Solidarisch G’sund tritt dafür ein, Reichtum von Oben nach Unten umzuverteilen. Reichtum soll vor allem denen zugute kommen, die ihn schaffen: den Arbeitenden im Haushalt, im Ehrenamt und in den Betrieben. Die Lohnquote beträgt in Österreich derzeit knapp 60%, es ist also – leider – sehr viel zum Umverteilen da: Mehr als 40% des gesamten Volkseinkommens wandert momentan nämlich auf die Konten von Unternehmern. Dabei ist noch nicht einmal mit einberechnet, dass auch innerhalb der Löhne (und Gehälter) großer Verteilungsspielraum besteht: zwischen Primarärzt*innen und Reinigungspersonal; zwischen Consultern und Krankenschwestern und so fort. Und es ist nicht mit einberechnet, dass es einen riesigen Bestand an Vermögen gibt, die ebenfalls umverteilt werden sollten.

Solidarisch G’sund fordert mehr Demokratie im Betrieb, um Stress, Mobbing, Hierarchien und andere krankmachende Faktoren zu bekämpfen. „Gleichheit ist Gesundheit und Glück“, sagen Erkenntnisse der Public Health-Forschung. Solidarisch G’sund fordert das ein. Denn Gesundheit ist ein Menschenrecht.

Solidarisch G’sund tritt schließlich auch dafür ein, soziale Sicherheit vom kranken Arbeitsmarkt zu entkoppeln. Aus menschenrechtlicher Sicht ist soziale Sicherheit ein unbedingtes Recht. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde aus der Problematik steigender Arbeitslosigkeit das Füllhorn wachsender Freizeit für alle machen.

Damit auch Felderer und Hundstorfer einmal kräftig durchatmen können.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

3 Antworten zu “Angriff auf Pensionen: Hundstorfer & Felderer, das Duo der Unvernunft

  1. Leser

    Das Problem sind nicht die Personen.

  2. sozialhackler

    stimmt, nicht die menschen, das system ist das problem

  3. ein system wird von menschen gebildet und von ihren beziehungen. menschen halten diese beziehungen aufrecht. „das system“ ist das system der menschlichen beziehungen. menschen verhalten sich zu diesen beziehungen und sie bilden diese beziehungen. genau deshalb sind hundstorfer und felderer das problem – so wie viele andere menschen, die sich zu ihren beziehungen in selbiger weise verhalten.

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