Böses Spiel mit dem Vater des „LKH neu“

Rausch, Wolfgang: Böses Spiel mit dem Vater des „LKH neu“. Kleine Zeitung, 2. 4. 2011, 24.

Wie Herwig Wetzlinger aus dem Chefsessel im Klinikum Klagenfurt gemobbt wurde und warum die Farce bei der Suche nach dem Nachfolger empört.

Ein Spitalsmanager verstand nach der Abberufung von Betriebsdirektor Herwig Wetzlingers am 8. März die Welt nicht mehr: „Anderswo hätte man ihm nach der Punktlandung mit dem LKH neu einen Orden umgehängt“, tat er seine Verwunderung kund. Stattdessen wurde und wird Wetzlinger mit Steinen beworfen. Immer wieder kursieren Gerüchte über angebliche Verfehlungen, bewahrheitet hat sich aber nie eines.

Vorbereitet wurde seine Demontage mit der Neuausschreibung des Postens im vergangenen Dezember. Kabeg-Chefin lnes Manegold verweist diesbezüglich auf den Auftrag der Expertenkommission. Allerdings war es sie, die dem Gremium gewichtige Argumente für den entsprechenden Beschluss lieferte. In besagter Sitzung sprach sie ein „massives Managementproblem“ im Klinikum an. Und zwei Tage vorher hatte sie in einem Inserat in der Kärntner Tageszeitung dem Klagenfurter Direktorium vorgehalten, dass es die selbst gesteckten Ziele nur schwerlich umsetzen könne.

Aber da war die Direktion des Klinikums von Kabeg-Aufsichtsratschef Kurt Scheuch längst medial sturmreif geschossen, nach jahrelangem Trommelfeuer durch dessen Leib- und Magenblatt „Österreich“. Sein offenkundiges Sprachrohr: pikanterweise der Vater der nunmehrigen Kabeg-Pressesprecherin… „Angeblich fünf Millionen verwirtschaftet“, „Schildbürger im LKH“, „Kein gutes Zeugnis für das LKH“, „LKH: Finanzfiasko aufgedeckt“ hieß es da etwa und nicht nur einmal stellte Scheuch in solchen Artikeln dem Direktorium die Rute ins Fenster. Am 17. November 2010 geißelte Scheuch Wetzlinger als „einen der Hauptverantwortlichen“ für angeblich 65 Millionen verpulverte Beraterhonorare. Der Kleinen Zeitung gegenüber gestand er dann jedoch ein, dass er die genaue Höhe gar nicht kenne und die Summe vom Autor des Artikels stamme. Drei Tage vor dem Expertenbeschluss über die Neuausschreibung der Betriebsdirektion in Klagenfurt wurde unter Berufung auf Scheuch kolportiert, dass „das Klinikum noch immer von einem zum kaufmännischen Direktor erhobenen EDV-Techniker geleitet wird.“ Das hatte am 26. Juni 2009 ein anonymer Kritiker noch rustikaler ausgedrückt: „Der kaufmännische Direktor ist ein EDV-Mann und hat sonst nichts gelernt.“ Wetzlinger ist Diplomingenieur und hat eine wirtschaftliche Zusatzausbildung.

Qualifizierte Bewerber

Sein freihändig bestellter Nachfolger, Roland Peters, bringt hingegen keine der in der Neuausschreibung geforderten Qualifikationen mit. An der Begründung für den Stopp des Auswahlverfahrens gibt es inzwischen heftige Zweifel. Unter den Bewerbern waren nicht nur ein amtierender Krankenhauschef, sondern des Weiteren ein vormaliger sowie die am 8. März ebenfalls abberufene Wetzlinger-Stellvertreterin Claudia Scharm-Groicher. „Dass jetzt behauptet wird, es war niemand Qualifizierter dabei, ist eine Frechheit“, so ein Bewerber.

Was ist seit dem 8. März mit Herwig Wetzlinger passiert? Er habe den Auftrag, eine Consulting GmbH zu konkretisieren, sagte er der Kleinen Zeitung. Das klingt fast so, als würde er selbst seinen künftigen Job suchen. Ines Manegold ließ mitteilen, dass sie schon sehr gespannt auf das Projekt sei, dass Wetzlinger nächste Woche präsentieren werde.

WOLFGANG RAUSCH

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