Privat versichern hat seinen Preis

nst: Privat versichern hat seinen Preis. Die Presse, 23. 3. 2011, 19

Krankenversicherung. In Österreich gibt es rund eine Million Sonderklassen-Verträge. Die Tarifvielfalt ist groß, die Unterschiede bei den Leistungen sind es auch. Ein Überblick.

[WIEN/NST] Freie Arztwahl, weniger Patienten im Krankenzimmer und oft auch schnellere Behandlungszeiten: All das bietet eine private Krankenversicherung. In Österreich gibt es rund 2,8 Millionen Versicherungsverträge dieser Art (Daten aus 2009). Bei rund einer Million Polizzen wird auch der Krankenhausaufenthalt in der Sonderklasse abgedeckt.

Doch nicht jeder potenziell Interessierte wird von den Assekuranzen auch als Vertragspartner akzeptiert, wie die Arbeiterkammer (AK) Wien am gestrigen Dienstag kritisierte. Die AK hat vier mit Vorerkrankungen belastete Testpersonen zu sieben Versicherungen geschickt, um von diesen entsprechende Angebote einzuholen. Von 27 Anträgen wurden 16 abgelehnt, zehn davon ohne Begründung. Wurden die Testpersonen als Versicherungsnehmer akzeptiert, mussten sie Prämienaufschläge in Kauf nehmen, moniert die AK.

In Österreich gibt es weniger als zehn Versicherungen, die private Krankenversicherungen anbieten. Dennoch ist die Tarifvielfalt sehr groß – und das breite Spektrum an Angeboten schwer zu überblicken. Worauf müssen Versicherungsnehmer nun achten, wenn sie an einer Sonderklasse-Versicherung interessiert sind?

Grundsätzlich lohnt es sich, verschiedene Angebote einzuholen. Die Leistungen der Assekuranzen sind sehr unterschiedlich, die Tarife sind es auch. Die Prämien für Männer und Frauen variieren ebenso. Männer zahlen in aller Regel weniger, Frauen mehr.

Die Versicherungen begründen dies mit der höheren Lebenserwartung des weiblichen Geschlechts. Seit Dezember 2007 dürfen die Kosten für Schwangerschaft, Entbindung und Mutterschaft nicht mehr nur den Frauen aufgebürdet werden – sie werden von beiden Geschlechtern getragen. Einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zufolge müssen die Unternehmen ab Dezember 2012 aber ohnehin Unisex-Tarife anbieten.

Ist es nun besser, mit dem Abschluss eines Vertrages zuzuwarten? „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Gabriele Zgubic von der AK Wien. Denn wie die Kalkulationen der Assekuranzen künftig aussehen, ist aus heutiger Sicht noch unklar. ? Die Tarifspannen der Assekuranzen sind breit. Ein ASVG-versicherter Mann im Alter von 28 Jahren muss für ein Sonderklassenprodukt zwischen 77 und 92 Euro zahlen. Bei der 28-jährigen Frau sind es zwischen 91 und 104 Euro, wie die AK-Untersuchung zeigt.

Je älter der Betroffene ist, desto teurer wird es für diesen. Ein 43-jähriger Mann zahlt laut AK zwischen 136 und 140 Euro. Eine 43-jährige Frau muss zwischen 147 und 165 Euro im Monat berappen.

Die Assekuranzen bieten Tarife mit oder ohne Selbstbehalt an. Verträge mit Selbstbehalt sind günstiger als solche ohne. Wählt der Kunde einen Selbstbehalt, muss er mit einem Betrag zwischen 500 und 1500 Euro rechnen.

Die Selbstbehalte sind von Bundesland zu Bundesland und je nach Versicherung unterschiedlich. Es gibt auch Tarife, die für ganz Österreich gelten. Manche Assekuranzen schreiben ihren Kunden Prämien gut, wenn diese gesund bleiben. Der Selbstbehalt kann in bestimmten Fällen auch entfallen.

Die Unternehmen passen die Prämien ihrer Kunden laufend an. In einem Beratungsgespräch empfiehlt es sich daher, genau nachzufragen. Die AK kritisiert, dass keine ihrer Testpersonen von einem Berater auf diesen Punkt aufmerksam gemacht wurde.

Schließt ein Kunde einen Vertrag ab, ist es wichtig, die wahre Krankengeschichte vorzulegen. Im Ernstfall kann sich die Versicherung schadlos halten – sie zahlt nicht. Der Anbieter hat in diesem Fall zudem die Möglichkeit, den Vertrag von sich aus zu kündigen.

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