„Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt“

Didi Hubmann, Ernst Sittinger: „Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt“, Kleine Zeitung, 16.3.2011

Künftig wird rigoros geprüft, ob Patienten ins Spital müssen. Sechs Chirurgie-Stationen wackeln. Budget sinkt um 245 Millionen.

Im Spitalswesen bleibt kein Stein auf dem anderen: Elf Prozent der 6994 Kages-Betten werden gestrichen, rund ein Dutzend Abteilungen könnte mittelfristig wegfallen. Das Spital in Hörgas-Enzenbach wird aufgelassen, jenes in Mariazell in eine Ambulanz ohne Bettenstation umgewandelt. Das steht in jenem (noch geheimen) Papier, das Spitalslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder am Mittwoch der Öffentlichkeit vorstellt.

„Gehen Sie zum Arzt“

Für die Patienten ändert sich vor allem die Aufnahme ins Spital: In einer „ambulanten Erstversorgungseinheit“ (AEE), die es künftig überall gibt, wird jeder Einzelfall geprüft. Der Patient wird dann dem fachlich am besten geeigneten Spital zugewiesen – oder, falls er keine akute Behandlung braucht, wieder nach Hause geschickt. „Gehen Sie morgen zu Ihrem Hausarzt“, könnte in manchen Fällen die Entscheidung lauten. Erhofft wird damit eine Reduktion der Belegung. Auch im Verrechnungssystem sollen die Anreize, jedes Bett zu füllen, in Zukunft wegfallen.

Politisch brisant ist der neue Anlauf zu einer Chirurgie-Reform. Vorerst schließt zwar keine chirurgische Station ihre Pforten, es werden aber die Stationen in Wagna, Bad Aussee (nach Fertigstellung), Schladming, Vorau, Voitsberg und Mürzzuschlag laufend auf ihre Notwendigkeit überprüft. Alle zwei Jahre soll es dazu Berichte geben, im Bedarfsfall droht die Schließung.

In Summe werden die Unfallchirurgie und die Orthopädie zulasten der Allgemeinen Chirurgie gestärkt. Das entspricht den modernen Anforderungen. Auch die Psychiatrie wird ausgebaut. Die Spitäler werden fachlich so zusammengefasst, dass die kleineren Häuser jeweils ein „Leitspital“ zugewiesen bekommen. Einsparen will man auch durch verstärkte Einbindung von niedergelassenen Ärzten.

Ein moderner Ansatz besteht etwa darin, dass die AEE für das LKH Stolzalpe direkt in der Stadt Murau angesiedelt wird. Auch das besonders teure Grazer Uni-Klinikum muss sparen: Dort wird die Patientenversorgung künftig weniger üppig abgegolten als die Forschungsmedizin.

Minus 87 Millionen sofort

In Summe soll das Gesundheitsbudget des Landes heuer um 87 Millionen und 2012 um weitere 158 Millionen Euro sinken. Die Detailmaßnahmen muss nun die Spitälergesellschaft Kages festlegen, die auch ihren Wirtschaftsplan neu schreiben muss. Wie jeder Standort von der Reform betroffen ist, sehen Sie anhand der Grafik rechts.

http://www.kleinezeitung.at/steiermark/2699984/gehen-zu-ihrem-hausarzt.story

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