Edlinger-Ploder: Pflege und Spitäler umgekrempelt

Claudia Gigler, Claus Albertani: „Edlinger-Plder: Pflege und Spitäler umgekrempelt“, Kleine Zeitung, 16.3.2011

Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder hat einen Plan: Endlich sollen Spitäler, Arztpraxen und Pflege sinnvoll miteinander vernetzt werden.

Gezählte 55 Minuten dauerte der Vortrag der Gesundheitslandesrätin zum Thema Sparbudget, und man hätte eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert hörten ihr die Journalisten zu. „Yes, we care . . .“, unter dieses Motto hatte Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) ihre Ausführungen gestellt. „Care“, das englische Wort für Sorgfalt, Pflege, das Gesundheitswesen, aber auch einfach „sich kümmern“.

Edlinger-Ploder hat sich gekümmert. Um die Finanzen, um das System, um die Struktur. Elf Prozent der 6994 Betten werden eingespart, Abteilungen geschlossen, zusammengelegt oder auch neu geschaffen, um fachmedizinische Zentren zu schaffen. Die Details hat die Kleine Zeitung bereits exklusiv präsentiert. Bis Ende Juni soll die Spitalsgesellschaft Kages nun den Plan für die Umsetzung vorlegen, innerhalb von drei Jahren sollen die neuen Strukturen stehen.

Die neuen ambulanten Erstversorgungszentren in den Spitälern sollen das Angebot der Spitäler und der niedergelassenen Ärzte miteinander verzahnen, die Patienten richtig weiterschicken, auch dafür sorgen, dass es in allen Regionen eine entsprechende fachärztliche Versorgung gibt.

Bis Juni soll auch das Konzept für die neuen Gesundheitszentren stehen – Schaltstellen für die Verknüpfung von Gesundheits- und Pflegemanagement, Schnittstelle zwischen Entlassung aus dem Spital und Versorgung danach.

Zwischen Empörung und Verständnis

Geteilte Meinungen gibt es zu den Sparplänen in den steirischen Regionen. Im Raum Mariazell bedauern etwa die Bürgermeister die Schließung des Bettentraktes, hoffen aber, dass die 24-Stunden-Notversorgung kommt. Von einem „schwierigen Tag“ sprach Heinz Luschik, ärztlicher Leiter der Spitäler Bruck und Leoben/Eisenerz – die Gynäkologie soll von Bruck nach Leoben übersiedeln, Luschik setzt auf ein Gespräch mit der Kages.

„Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz“, sagte Betriebsdirektor Reinhard Petritsch vom LKH Stolzalpe – die Verlegung der Internen nach Knittelfeld könnte laut Land aber zur Stärkung der Orthopädie führen.

Freude über eine mögliche Aufwertung herrschte an den Spitälern Hartberg und Weiz. Empörung in Schladming: Die Unfall-Chirurgie wird Bruck angegliedert. „Missachtung der Leistungen“, so Primar Simader.

Lob für Edlinger-Ploder

Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer war überrascht: „Ich hätte mir nicht gedacht, dass Edlinger-Ploder so entschlossen agiert. Wenn die Steiermark das durchzieht, dann ist es ein Zeichen für ganz Österreich. Und alle werden sehen, dass es funktioniert, ohne dass ein Patient bei dieser Reform stirbt.“ Dass Edlinger-Ploder ihre Pläne nicht zur Diskussion stellte, ist für Pichlbauer logisch: „Wir in Österreich sind dazu nicht fähig. Man muss das so machen.“

Der Betriebsrat zürnt

Manfred Wolf, der Zentralbetriebsratsvorsitzende der Kages, fasst die Stimmung in den Spitälern so zusammen: „Es gibt eine gewaltige Ablehnung gegen die Pläne in den Bezirken. In Wagna wird es Proteste geben, auch in Hörgas-Enzenbach und in anderen Orten.“ Die Betriebsräte sind am 23. März bei der Spitalslandesrätin Edlinger-Ploder, um den Strukturplan zu diskutieren – dann wird über einzelne Kampfmaßnahmen entschieden.

Hörgas-Enzenbach wird verkauft

Die Mitarbeiter in Hörgas-Enzenbach waren geschockt, dass ausgerechnet ihr Spital geschlossen werden soll. Eine Frage wurde immer wieder gestellt: „Warum?“ In den letzten Jahren wurde in Hörgas-Enzenbach groß investiert, man hat eine der besten TBC-Stationen in Europa aufgebaut, ein neues Schlaflabor, eine neue Intensivstation. Der ärztliche Direktor Bernd Bauer: „Es gibt keine rationalen Gründe, weil es auch kein echtes Einsparungspotenzial gibt. Zwei Drittel der Kosten sind Personalkosten, die durch die Schließung nicht reduziert werden. Es macht auch keinen Sinn, eine Lungenstation in ein Grazer Feinstaubgebiet zu verlegen, wie es geplant ist.“

Ein Hintergrund der Schließung ist, dass die Häuser verkauft werden sollen – die Kages braucht Geld. Ein Teil der umliegenden Grundstücke ist bereits verkauft.

Bei den Heimen wird gespart, in den Ausbau der mobilen Pflege wird investiert. Der neue Pflegefonds im Bund hilft. Die Landesheime werden an Kages bzw. Sozialhilfeverbände angebunden, die Tagsätze evaluiert. Per 1. August wird der Regress wieder eingeführt. Ab 1. Jänner 2012 gilt er auch für die, die jetzt schon im Heim sind.

Das Ergebnis in Zahlen: 668,4 Millionen Euro machte 2010 das Spitalsbudget aus, 593 statt der geplanten 680 werden es 2011 sein, 575 statt geplanter 733 Millionen im Jahr 2012. Die Pflege (2010: 127 Millionen) kostet 2011 120 Millionen statt wie geplant 134, 2012 steigt sie wieder auf 134 Millionen an (statt geplanter 146 Millionen).

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s