Die fahrlässige Tötung des Rufs unserer LKH

Rausch, Wolfgang: Die fahrlässige Tötung des Rufs unserer LKH. Kleine Zeitung, 11. 3. 2011, 8.

Was Scheuch und Co. dem Spitalswesen angetan haben.

Nur Blauäugige glauben noch, dass die Bestellung von Ines Manegold zur Kabeg-Chefin wirklich ein Zufallsprodukt war. Die Forderungen, die man dem erstgereihten Eibe Hinrichs in den Vertrag reklamieren wollte, lassen im Lichte der folgenden Ereignisse um die Landesspitäler den Schluss zu, dass sein Absprung durchaus erwünscht war. Hinrichs hatte sich dezidiert zu den regionalen Strukturen bekannt, während der geheime Kabeg-Chef Kurt Scheuch offenbar schon die kurz darauf mit dem Kabeg-Gesetz eingeleitete Zentralisierung im Kopf hatte, deren unerwünschte Nebenwirkungen sich jetzt tagtäglich deutlicher abzeichnen.

Die Realität entlarvt Beschwörungen der Politik wie die Qualität im Gesundheitswesen zu erhalten und auszubauen wie so oft als inhaltsleere Phrasen. Im Klinikum Klagenfurt, das laut dem unter skandalösen Umständen gefeuerten Med-Direktor Matthias Angrés das Zeug zur Weltklasse hätte, sollen 10,5 Millionen Euro eingespart werden. Das kostet 100 Pflegern den Job und reduziert den medizinischen Sachaufwand um 3,6 Millionen Euro – erzielt man so Qualitätssteigerungen für den Patienten?

Obwohl der zitierte bevorstehende Personalabbau seine Aussage glatt widerlegt, preist Kurt Scheuch immer noch unverdrossen (siehe Leserbriefseite) den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten an. In Wahrheit sondieren Gesundheitskonzerne längst die Filetstücke im Kabeg-Portfolio. Selbst die gerade erst eröffnete Wolfsberger Lymphklinik soll Thema für eine Privatisierung sein, während die Kernbereiche dort planlos zersäbelt anstatt sinnvoll redimensioniert werden.

Im Auge des Chaos thront Ines Manegold, eine Vorstandschefin wie maßgeschneidert für den Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Scheuch und VP-Mann Stephan Tauschitz. Die beiden halten Manegold mit einer scheinbaren Machtfülle bei Laune – und selbst die Fäden in der Hand.

Soviel zum Thema Entpolitisierung der Kabeg, wofür man extra das Feigenblatt einer Expertenkommission schuf. Doch anstatt eigenständig zu entscheiden, nickt jene ab, was der formell machtlose Scheuch will – wie Dienstag die Abberufung von Klinikum-Direktor Herwig Wetzlinger. Und kritiklos installiert man neue Chefs, denen das Klinikum um ein paar Schuhnummern zu groß sein könnte. Die Folge dieses Treibens ist ein schwerer Vertrauensverlust der Patienten, die leider nicht zwischen Kabeg und LKH differenzieren. Zu ihrer Aufklärung: In den Spitälern operieren im Gegensatz zu Politik und Kabeg-Chefbüro nach wie vor Experten!

WOLFGANG RAUSCH

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