Trotz Warnung Totalumbau an Klinikum-Spitze

Rausch, Wolfgang: Trotz Warnung Totalumbau an Klinikum- Spitze. Kleine Zeitung, 9. 3. 2011, 16f.

Betriebsdirektor Herwig Wetzlinger, Vater des „LKH neu“, wurde abberufen. Ab sofort ziehen Chefs von Zwergen-Spitälern die Fäden. Expertenkommission verantwortet dieses Experiment.

WOLFGANG RAUSCH

Die Koalition FPK/ÖVP lässt sich beim mit dem umstrittenen Kabeg-Gesetz angestoßenen Umbau des Spitalswesens nicht aufhalten – am wenigsten von Stimmen der Vernunft. Trotz Flächenbrandes in der Pflege, wo inzwischen 1500 LKH-Mitarbeiter eine Resolution gegen Personalabbau und eine Schwächung der Pflege unterschrieben und auf eine Neuausschreibung des vakanten Leiterpostens drängten; trotz eines Plädoyers von knapp 40 Führungskräften im Haus, darunter namhafte Primarärzte, in der heiklen Lage des Hauses Betriebsdirektor Herwig Wetzlinger im Amt zu belassen, segnete man einstimmig den Totalumbau an der Klinikum-Spitze ab.

Herwig Wetzlinger, den man mit Fug und Recht als „Vater des LKH neu“ bezeichnen darf“ (wegen seiner Leistungen bei der Realisierung) wurde von der Kabeg-Expertenkommission der Stuhl vor die Tür gesetzt, weil ein „Bedarf an Neuorientierung gegeben ist“ (Vorsitzender Albert Kreiner). Die Demontage von Wetzlinger muss der Kabeg-Spitze ein leidenschaftliches Anliegen gewesen sein. Er erhielt schon kurz nach dem Beschluss am Vormittag die Abberufung übermittelt, muss bereits heute sein Büro räumen. Abberufen wurde im selben Aufwaschen auch seine bisherige Stellvertreterin Claudia Scharm-Groicher. Neuer Betriebsdirektor wird, wie mehrfach berichtet, der bisherige kaufmännische Leiter des LKH Hermagor, Roland Peters. Die Pflegeleitung übernimmt Bernhard Rauter, bisher LKH Laas. Nicht nur, dass beide Häuser im Vergleich zum Klinikum Klagenfurt „Zwergenspitäler“ sind, bestehen auch erhebliche Zweifel, ob die neuen Chefs ihren Aufgaben fachlich gewachsen sein werden.

Peters, der sich fraglos im Gesundheitsbereich Kenntnisse und Erfahrungen aneignen konnte, kann als Grundausbildung lediglich die Matura vorweisen. Seit 2006 besucht er in Wien den Uni-Lehrgang „MBA Health Care Management“, wofür ihm als Klinikum-Chef aber wohl die Zeit fehlen wird.

Laut Albert Kreiner, der sich auf die Kabeg-Spitze mit Vorstand Ines Manegold beruft, hätten sich auf die Ausschreibung zwar 24 Kandidaten beworben, die aber nicht geeignet seien. An der Spitze gereiht war dem Vernehmen nach Wetzlinger-Stellvertreterin Scharm-Groicher. Im Gegensatz zu Peters verfügt sie über ein abgeschlossenes Studium (Betriebswirtschaft), was ein wesentliches Kriterium im Ausschreibungsverfahren war.

Auffallend: Bei der Verlängerung des interimistischen ärztlichen Leiters folgten Politik und Experten dem Ersuchen, diesfalls des Primarärztekollegiums, das Provisorium aus Gründen der Stabilität zu verlängern.

Herwig Wetzlinger wurde zwar abberufen, hat aber einen aufrechten Dienstvertrag und auch besoldungsmäßig ändert sich für ihn nichts. Wo ihn Kabeg-Chef in Manegold einsetzen wird, wusste er gestern noch nicht.

Die Expertenkommission segnete gestern auch die Leiter der übrigens LKH ab.

Wichtiger Tagesordnungspunkt hätte die Aufklärung der Umstände des Vergleichs mit Matthias Angres sein sollen. Indizien, die eine Verwicklung von Ines Manegold in die Spitzelaffäre gegen Angres im Raum stehen lassen, wurden aber offenbar gar nicht erst erörtert. Der Vergleich mit Angres sei widerspruchslos als günstige Lösung hingenommen worden.

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