„lch bin ein Mensch wie andere auch!“

Sommersguter, Uwe: „lch bin ein Mensch wie andere auch!“. Woche Klagenfurt Stadt, 2. 2. 2011, 20f.

Die Vorstandsdirektorin der Kabeg, Ines Manegold, im WOCHE-Interview über sportliche Ziele im Spital.

WOCHE: Im Jänner endeten die Fristen für die Ausschreibungen etlicher Spitzenpositionen in Kabeg-Spitälern.

Ines Manegold: Für den ärztlichen Leiter in Klagenfurt ist das Verfahren schon geschlossen. Wir hatten 24 Bewerbungen, sind mit Hilfe der Auswahlkommission und unter stärkster Einbindung der Primarärzte auf einer Shortlist von maximal vier Personen gelandet. Es sind in den nächsten Jahren bahnbrechende Entscheidungen in Richtung Nachbesetzungen zu treffen. Es gibt einige prominente Positionen die neu ausgeschrieben werden müssen, es gilt ganz klar Zukunftsplanung zu machen.

Gibt es auch Bewerber aus dem Haus?

Alle Bewerber sind Externe. Es wird daher sehr intensiv unter den Primarärzten abgewogen, was die beste Lösung ist. Es gibt ja auch die Überlegung, ob nicht das, was man im Moment hat, das ist, was man sich wünscht.

Also die jetzige provisorische Lösung definitiv gestellt wird?

Solange ich nicht von den Primarärzten die klare Äußerung dazu habe, werde ich nicht prüfen, inwieweit das realisierbar ist. Die Primarärzte wurden aufgefordert, sich ganz klar zu positionieren.

Bis wann wollen Sie alle vakanten Stellen besetzen?

Alle Positionen sollen bis 31. März besetzt sein. Wir haben eine Sitzung der Expertenkommission am 8. März, wo alle Personen vorgestellt, von der Kommission mit ihrem Votum versehen werden. Ein engagierter Zeitplan. Wir werden alle Verfahren bis dahin finalisiert haben.

Weiters ausgeschrieben wurden die Betriebsdirektoren von Wolfsberg und Klagenfurt sowie der Pflegedirektor von Klagenfurt.

Beide Ausschreibungen endeten Ende Jänner. Speziell für die Positionen in Klagenfurt haben wir die Firma Deloitte hinzugezogen. Ein Externer kann hier, wenn man auch interne Bewerbungen bekommt, viel neutraler bewerten als wir.

Einige potenzielle Kandidaten wollten sich wegen des Images der Kabeg nicht bewerben.

Nicht wegen des Images, sondern wegen der Frage: „Stehe ich morgen in der Zeitung?“

Ja, aber dort steht die öffentliche Meinung.

Nein, das sehe ich kritischer. Außerdem: 24 Bewerber für den ärztlichen Leiter sind ja keine schlechte Zahl, vielleicht hätten es aber auch 50 oder 60 sein können.

Was erwarten Sie sich vom neuen Direktorium in Klagenfurt – die öffentliche Meinung über das Klinikum in Klagenfurt ist sehr differenziert.

Es gibt eine öffentliche Meinung in den Medien und die von Patienten, die es weitgehend positiv empfinden. Wichtig ist, dass die Primarärzte an einem Sträng ziehen und sichden richtigen Coach suchen. Für die Pflege wird es die größte Aufgabe sein die Strukturen den neuen Abläufen anzupassen.

Ist das noch nicht passiert?

Da ist mit Sicherheit noch viel zu tun, aber wir sind auf dem Weg. Der Betriebsdirektor hat die knackige Aufgabe, das, was vor vielen Jahren akkordiert worden ist, tatsächlich mit Leben zu erfüllen.

Sie meinen: sparen?

Die Refinanzierung des CMZ. Man ist angetreten mit Neubau ja, aber Finanzierung aus dem laufenden Betrieb. Ich erwarte, dass man das auch umsetzt. Es gibt ja einen gerne zitierten Parallelfall, das Mühlenkreisklinikum in Minden. Die haben den Turnaround geschafft.

Konkret?

Das Beratungsunternehmen Roland Berger hat das Haus begleitet – und die Projektliste, also Reorganisationsbaustellen, können wir auch abarbeiten. Das Haus in Minden ist massiv in die roten Zahlen gerutscht.

Wäre Roland Berger auch für Klagenfurt ein Thema?

Man müsste das in Absprache mit dem neuen Direktorium machen und mit der Expertenkommission und dem Aufsichtsrat akkordieren. Das Ergebnis war erfolgreich.

Wie weit ist man in Klagenfurt von den Einsparungszielen entfernt?

Man hat noch viele To-dos aus den zwei letzten Jahren mitgeschleppt – Dinge, die leider nicht umgesetzt wurden. Das ist schade, aber machbar.

Wie problematisch ist die Einhaltung des finanziellen Rahmens?

Sehr sportlich. Wir befinden uns in einem Change-Prozess.

Das Kabeg-Gesetz sieht den zentralen Einkauf vor.

Das ist eine Riesenaufgabe. Das Ziel ist, langfristig 10 Prozent einzusparen. Dieses Jahr schreiben wir ein Volumen von 26 Millionen Euro neu aus.

Welche Baupläne hat die Kabeg?

Ganz stark in der Planung ist Villach, da muss einiges getan werden. Da sind die Planungsbeschlüsse gefallen. Parallel werden wir spätestens Ende des Jahres eine komplette Leistungsangebotsplanung innerhalb der Kabeg haben und auch bauliche Maßnahmen vorsehen, wenn Abteilungen verschoben werden müssen.

Wie viel wird investiert?

In Laas im einstelligen Millionenbereich, in Wolfsberg zwischen 20 und 40 Millionen und in Villach weit über 50 Millionen Euro.

Schließen Sie eine Privatisierung von Kabeg-Spitälern aus?

Unter den gegebenen Bedingungen halte ich eine Privatisierung nicht für realistisch. Es wäre nur sehr schwer möglich.

Wie erlebten Sie die ersten elf Monate bei der Kabeg?

Das war ein Raketenstart für die Kabeg. Manchmal hätte ich es mir langsamer gewünscht. Manchmal gibt aber die Notwendigkeit das Tempo vor. Ich versuche immer wieder Ruhephasen auch für die Mitarbeiter zu realisieren.

Sie wurden im Internet von anonymen Schreibern massiv angegriffen. Hat Sie das persönlich getroffen?

Ja, weil ich noch nicht weiß, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Wir werden den juristischen Weg so bald wie möglich verfolgen.

Viele hat verwundert, dass eine bestbezahlte Managerin eines schwer verschuldeten Unternehmens im „Kärntner Monat“ bekennt, sie würde sich 2011 privat den zeitintensiven Hobbys Jagd und Golf stärker widmen …

Ich brauche auch Zeit um nachzudenken, abzuspannen und aus dem Tagestrott rauszukommen. Und da bin ich nicht hochbezahlt, sondern ein Mensch wie jeder andere auch.

UWE SOMMERSGUTER

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