In vielen Gegenden fehlen Ärzte

Pessl, Fritz: In vielen Gegenden fehlen Ärzte. Salzburger Nachrichten, 11. 2. 2011, 2.

Abwandern ins Ausland. In Landgebieten mangelt es an Haus- und an Spitalsärzten.

FRITZ PESSL

WIEN, LINZ (SN). Die Spitalsärzte in der Wiener Ärztekammer schlagen Alarm: Die Spitäler würden vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) krankgespart. Betroffen davon seien unter anderen 30 Turnusärztestellen. Im AKH Wien drohe sogar der Abbau von 180 Akademikerposten. Die Folge: Mehrbelastung von Ärzten und Pflegekräften. „Schon jetzt arbeitet das Personal in den Spitälern am Limit“, sagt Thomas Szekeres, Obmann der Kurie angestellter Ärzte. Und sein Kollege Robert Hawliczek ergänzt: „Selbst Spitzenpositionen (Primariate) sind unattraktiv geworden. Unsere Häuser sind nicht mehr konkurrenzfähig, die Ärzte wandern ins Ausland ab. Wir laufen in einen Ärztemangel hinein.“

Tatsächlich haben Jungmediziner in den Bundesländern (Ausnahme Wien) für einen Turnusplatz kaum mehr Wartezeiten. Im Gegenteil: In zahlreichen Landgemeinden interessieren sich weder Fachärzte für Arbeitsplätze in Spitälern noch niedergelassene Ärzte. „Wir können voraussichtlich in 116 Landgemeinden die Kassenstellen nicht mehr nachbesetzen“, erklärt Martin Stickler, Pressesprecher der Ärztekammer. Bei insgesamt 2000 Landmedizinern blieben sohin österreichweit gut fünf Prozent unbesetzt. Der Grund: „Der Beruf ist unattraktiv. Landärzte haben rund 30 Wochenenddienste im Jahr und absolvieren 850 bis 1000 Hausbesuche. Sie sind Tag und Nacht verfügbar. Und noch dazu wird ihnen die Hausapotheke als Einnahmequelle weggenommen“, sagt Stickler. Während vor allem Jungmedi-ziner in Ausbildung hierzulande ausgebeutet werden, werben andere Länder, vor allem Deutschland, aber auch skandinavische Länder und Großbritannien, heftig um heimische Mediziner. Mit Erfolg: Mehr als 2100 Ärzte sind bereits nach Deutschland ausgewandert (davon 1500 Spitalsärzte), 285 nach Großbritannien, 100 nach Dänemark und 24 nach Schweden. Volkswirtschaftlich ist das Vergrämen der Jungärzte unverantwortlich, kostet ein Medizinstudium inklusive Ausbildung im Spital doch rund 270.000 Euro pro Person.

Gespag-Finanzvorstand Karl Lehner zufolge gibt es in einzelnen Fächern wie Kinder-und Jugendheilkunde und Psychiatrie schon jetzt Mangel in Oberösterreichs Spitälern. In Spitälern auf dem Land müssten teilweise Facharztposten mit Allgemeinmedizinern in Ausbildung besetzt werden. Auch bei Chirurgen und Anästhesisten spitzt sich die Lage zu. „Der Bedarf an Fachärzten wird sich in zehn Jahren verdoppeln“, erklärt Lehner. Er plädiert für mehr Studienplätze. Bis jemand Facharzt ist, dauert es im Optimalfall zwölf Jahre.

„Wir hoffen, durch die Liberalisierung des Arbeitsmarkts in Tschechien ab April in grenznahen Gebieten den Fachärztemangel besser in den Griff zu bekommen“, sagt Oberweger. Profitieren könnten die beiden Mühlviertler Spitäler in Freistadt und in Rohrbach.

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