Patientin litt am Gang über Stunden

Fercher, Wolfgang: Patientin litt am Gang über Stunden. Kleine Zeitung, 22. 2. 2011, 16f.

WOLFGANG FERCHER

Es war wirklich entwürdigend, wie hier mit meiner Frau umgegangen wurde.“ Die Kritik von Gerhard Sprintschnik aus dem steirischen Neumarkt reiht sich in eine immer länger werdende Liste an Beschwerden über das Klinikum Klagenfurt. Seine Frau Hertha (65) leidet an einem schweren Lungentumor – die meiste Zeit muss sie Sauerstoff aus der Flasche atmen. „Ein Arzt hat Auffälligkeiten festgestellt, Abklärung und Bestrahlung sollten im Klinikum Klagenfurt stattfinden.“

Der Aufenthalt Ende Jänner in der Lungenabteilung verlief unerfreulich. „Das reservierte Bett war noch nicht frei, wir wurden gebeten zu warten.“ Eine Möglichkeit sich hinzulegen wurde ihr nicht geboten. „Erst nach fast vier Stunden hat eine Turnusärztin endlich die Patientenaufnahme gemacht – im Aufenthaltsraum neben anderen Leuten und einem lauten Fernseher.“

Die Odyssee dauerte an: „Schauen Sie mal selbst, welcher Oberarzt für Sie zuständig ist, wurde uns gesagt“, beklagt Sprintschnik. Eine Stunde später wurde tatsächlich ein Oberarzt gefunden, „aber natürlich hatte der keine Ahnung von dem Fall“. Das bittere Resümee: „Es sind zwar alle sehr bemüht, aber im Klinikum weiß eine Hand nicht, was die andere macht.“

Der zuständige Primararzt Christian Geltner bedauert die Unannehmlichkeiten: „In dieser Woche war besonders viel los – wir mussten Betten schon in Notkojen aufstellen. Deshalb die lange Wartezeit auf das Bett.“ Man sei bemüht die Abläufe zu optimieren, Patienten schneller zu behandeln und besser zu informieren. Dass sich niemand um die Frau gekümmert habe, dementiert Geltner. „Und die Patientin war zu keinem Zeitpunkt gefährdet.“ Geltner, ein Oberarzt und Patientenservice haben Sprintschnik kurz darauf kontaktiert und sich entschuldigt.

Für Kärntens Patientenanwalt Erwin Kalbhenn sind solche Beschwerden keine Seltenheit. „Immer wieder werden Organisationsschwächen wie Verwechslung von Namen im Klinikum beklagt.“ Viele hätten das Gefühl, dass sich keiner um Patienten kümmern würde und Informationen nicht weitergegeben würden. „Es macht den Eindruck, als ob sich die Mitarbeiter noch immer nicht an ihr neues Zuhause gewöhnt hätten.“

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