Man spricht Deutsch

Rausch, Wolfgang: Man spricht Deutsch. Kleine Zeitung, 6. 2. 2011, 22.

Zwei deutsche Klinikum-Chefs? Das würde zur bisherigen Strategie von Kabeg-Chefin Ines Manegold passen, die am liebsten auf Know-how aus ihrer Heimat baut. Mit zuweilen zweifelhaftem Erfolg. Bei der Besetzung der ärztlichen Leitung im Klinikum Klagenfurt zog man im letzten Moment die Notbremse und hofft, dass bis zum zweiten Anlauf in einem Jahr auch namhafte Österreicher Gefallen an diesem Posten finden. Als Favorit für den Job des Betriebsdirektors, des künftigen Gesamtchefs im Haus, wird – trotz Manegold-Dementi – aber weiter ein Ex-Kollege von ihr aus Kölner Tagen gehandelt. Nur Insider haben bisher registriert, wie intensiv Ines Manegold in ihrem ersten Jahr an der Kabeg-Spitze in ihrem Heimatland einkaufte – personelle Verstärkungen ebenso wie mannigfaltige Beraterleistungen. Die Münchner „Große Freiheit“, laut Homepage auf Innovationskultur spezialisiert, versammelte die 15 LKH-Direktoren zu einem Workshop. Marketing unterrichtete die Fuldaer Expertin für Kommunikation im Gesundheitswesen, Nicole Weider. Die Münchnerin Monika Scheddin ließ den Führungskräften Einzelcoachings angedeihen. Eine kaum frequentierte Beschwerdehotline für Spitalsmitarbeiter wurde der Münchner Anwaltskanzlei Seufert anvertraut. LKH-Chefs und die Kabeg-Spitze durfte ein deutscher Fotograf ins richtige Licht rücken.

Nicht immer soll die Arbeit diverser „Legionäre“ berauschend gewesen sein. Als definitiv teurer Flop entpuppt sich jedoch die Untersuchungstätigkeit der Berliner Detlef Orwat GmbH am LKH Wolfsberg, die trotz Vorliegens zweier Kärntner Expertisen ins Rennen geschickt wurde. Unter anderem empfiehlt man die Reduzierung der Oberarztstellen von 37,5 auf 15, geht dabei aber offenkundig vom deutschen Oberarzt als Arzt in leitender Position aus, währenddessen hierzulande unter dem Begriff Oberarzt ein Facharzt figuriert. Und in einem Modell denkt man die Verlagerung wesentlicher Teile der Chirurgie des Klinikums Klagenfurt nach Wolfsberg an…

Aktuell liefert in der Kabeg auch der Wunsch des deutschen IT-Dienstleisters Vepro, am fetten Kuchen für die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) mitzu-naschen, Gesprächsstoff. Vepro-Chef Harald Roth hat sich im Lavanttal angesiedelt und glaubt, dem Land mit seiner Technik viel Geld ersparen zu können. Er blitzte jedoch sowohl bei Kabeg wie ELGA-GmbH ab. Dennoch gibt er nicht auf. Als Lobbyisten hat er den FPK-Nationalratsabgeordneten Martin Strutz („Roth ist ein Freund“) an der Seite, der im Dezember ein weiteres Gespräch mit Kabeg-Experten erwirkte. Weil jene sich nicht für Vepro gewinnen ließen, machte er in einem Brief an Manegold rüde gegen sie Stimmung.

WOLFGANG RAUSCH


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