Keine Lust auf weitere „Legionäre“

Rausch, Wolfgang: Keine Lust auf weitere „Legionäre“. Kleine Zeitung, 3. 2. 2011, 24.

Schwierige Personalsuche nach Wirren um das Klinikum Klagenfurt: Deshalb wollen Primarii, dass der interimistische Ärztechef weiter im Amt bleibt. Gerüchte um Ex-Manegold-Kollegen als Betriebsdirektor.Für kommenden Dienstag ist das Hearing mit den Bewerbern für den Posten des ärztlichen Leiters im Klinikum Klagenfurt angesetzt, dem Vernehmen nach vier Deutsche und ein Österreicher. Doch wird es dazu überhaupt noch kommen? Seit gestern früh das Primarärztekollegium Vorstandschefin Ines Manegold schriftlich ersuchte, Interimsleiter Bernd Stöckl weiterarbeiten zu lassen, steht ein abruptes Ende des Auswahlverfahrens im Raum. Dabei handelt es sich bei besagtem Schreiben oberflächlich besehen lediglich um den Wunsch der Abteilungsvorstände nach Ruhe und Kontinuität – im Haus wie in der Zusammenarbeit zur Kabeg.

Der Hintergrund ist aber ein viel ernsterer. Tatsächlich spiegeln die Bewerbungen die schwierige Situation des Hauses nach den Turbulenzen in den vergangenen zweieinhalb Jahren wider, nicht nur was die bescheidene Zahl der Bewerbungen betrifft. Unter den fünf Kandidaten scheint keiner zu sein, dem man zutraut, das Spital in ruhige Gewässer zu führen. Selbst Kabeg-Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Scheuch kann dem Gedanken an einen weiteren Deutschen auf dem Chefarztsessel, womit stark zu rechnen wäre, nicht wirklich etwas abgewinnen.

Einem unbefristeten Provisorium, wie es sich die Primarii vorstellen, werden allerdings kaum Chancen eingeräumt. Zweitens Problem: Stöckl wolle laut Scheuch Chef der Orthopädie, für deren Neustart er geholt worden war, bleiben und das Amt mit seinem Primarkollegen Jörg Weber nur zusätzlich ausüben. Man darf gespannt sein, wie die Expertenkommission zu dieser Variante steht. Dort könnte Stöckl zumindest in Herbert Haupt einen Fürsprecher haben. Der Tiroler Stöckl hat aus seiner freiheitlichen Gesinnung nie ein Hehl gemacht und ist wie Haupt schlagender Burschenschafter.

Auch wenn es niemand so offen aussprechen will: Die hohe Zahl von deutschen „Legionären“, die seit Amtsantritt von Ines Manegold im Kärntner Gesundheitswesen mitmischen und mitverdienen, sorgt zunehmend für Unbehagen. Jetzt verstärken es Insider noch, die wissen wollen, dass Manegold einen Ex-Kollegen aus Köln als Betriebsdirektor im Klinikum favorisieren soll. Jener leitet eine Klinik in der deutschen Provinz und soll nicht nur auf der Bewerbungsliste aufscheinen, sondern werkte auch bereits für die Kabeg: als Impulsgeber im Case Management. Er dementiert ebenso wie Manegold, die auf eine hohe Bewerberzahl verweist und für die ein Bewerber mit profunden Kenntnissen aus Österreich positiv wäre.

WOLFGANG RAUSCH

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