Man kann LKH nicht wie Zitrone auspressen

Rausch, Wolfgang: „Man kann LKH nicht wie Zitrone auspressen“. Kleine Zeitung, 23. 1. 2011, 26f.

Herwig Wetzlinger, der Betriebsdirektor des Klinikums Klagenfurt, über ein halbes Jahr „LKH neu“, seine Zukunft und den Fall Angres.

In der öffentlichen Meinung wurde das „LKH neu“ zuletzt wiederholt zerzaust. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

HERWIG WETZLINGER: Mit der Übersiedelung starteten komplett neue Abläufe, eine völlig neue Betriebsorganisation. Inzwischen haben wir Stabilität ins Haus gebracht. Dass da und dort Probleme bestehen, will ich nicht in Abrede stellen, wir gehen aber jeder Beschwerde nach und reagieren. Und im Februar werden wir noch einmal alle Prozesse auf den Prüfstand stellen.

Immer wieder tauchen Meldungen über Mängel auf und über technische Lösungen, zum Beispiel in Patientenzimmern, die nicht ausgereift seien?

WETZLINGER: Ein derart großes Bauwerk hat immer Nachbesserungen. Bei der Inbetriebnahme wurden 800 Mängel festgestellt, die wir inzwischen auf fünf reduziert haben. Parallel dazu laufen schon Umbauten und Erweiterungen, etwa im Bereich der Bronchoskopie.

Gibt es schon einen Überblick über die Projektkosten?

WETZLINGER: Das Projektbudget wird um 0,38 Prozent überschritten, die Gesamtkosten bleiben aber innerhalb des genehmigten Rahmens. Für 97 Prozent der Baukosten gibt es bereits freigegebene Schlussrechnungen bzw. sind jene in Prüfung.

Ein heißes Thema sind jedoch die Betriebskosten. Die Vorgabe, heuer über zehn Millionen Euro einzusparen, sorgte vor Kurzem für einen Aufschrei im Klinikum. Ist das überhaupt denkbar? WETZLINGER: Ich bin bekannt dafür, dass ich sinnvolle und machbare Einsparungen umsetze, das habe ich klar und eindeutig bewiesen. Aber: Ein Krankenhaus, das spitzenmedizinische Versorgung und hochwertige Pflege anbietet, kann nicht wie eine Zitrone aus-gepresst werden. Im Übrigen verweise ich auf den Tätigkeitsbericht 2009 des Kärntner Gesundheitsfonds und auf den Bundesrechnungshof.

Sie haben sich unbestritten große Verdienste bei der Realisierung des „LKH neu“ erworben. Aber dennoch wurde ihr Posten (Anm.: wie auch jener von Pflegechef Siegfried Ruppnig) von der Kabeg neu ausgeschrieben. Sehen Sie sich als Opfer von politischer Verfolgung? WETZLINGER: Ich weiß, dass dies vermutet wird, will das aber gar nicht aussprechen. Wir leben doch in einer Demokratie, in der es so etwas nicht geben darf.

Dennoch: Kabeg-Aufsichtsrats-Chef Kurt Scheuch reitet seit Jahren immer wieder wilde Attacken gegen Sie. Als EDV-Techniker wären Sie ungeeignet für den Job. Laut Neuausschreibung darf aber auch ein Techniker Betriebsdirektor im Klinikum werden.

WETZLINGER: Das Profil der Ausschreibung ist fast ident mit jener, die ich 2002 gewonnen habe. Nun einmal abgesehen von meinem kaufmännischen Aufbaustudium in St. Gallen: So ein Spital ist nicht nur kaufmännisch zu führen. Da sind eine Vielzahl von Prozessen mit technischen Möglichkeiten zu verbinden.

Die Frist läuft noch bis zum 28. Jänner: Werden Sie sich bewerben?

WETZLINGER: Nein, ich könnte das nicht einmal, weil ich damit laut einem Gutachten meinen Vertrag bis 2012 infrage stellen würde.

Will man Sie dennochfrüher aus dem Amt haben?

WETZLINGER: Bei einseitiger Vertragskündigung müsste ich Rechtsmittel ergreifen.

Zur Causa Matthias Angres: Zeugen sahen Sie und einen Primär kurz nach der Entlassung des Med-Direktors ins Büro von Ka-beg-Chefin Ines Manegold eilen.

Wurden Ihnen dort Hintergründe kundgetan, oder hat man Sie gar über die Spitzelaffäre informiert?

WETZLINGER: Über dieses Gespräch wissen alle Teilnehmer Bescheid. Ich unterliege der Schweigepflicht und werde dazu keine Auskunft erteilen.

Es gibt Gerüchte über ein Gedächtnisprotokoll mit entlarvenden Manegold-Äußerungen zur Spitzelaffäre, das bei einem Notar und/oder sogar bei Gericht läge.

WETZLINGER: Ich ersuche Sie, mich nicht zu bedrängen. Ich kann dazu nichts sagen, weil ich der Schweigepflicht unterliege.

INTERVIEW: WOLFGANG RAUSCH

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